Inhaltsverzeichnis

Gaslighting: ein schockierendes Interview √ľber Psychoterror & Manipulation am Arbeitsplatz

Beleuchteter Mann im Hintergrund schreit im schattigen Vordergrund stehenden Mann an
GASLIGHTING IST MANIPULATIVER PSYCHOTERROR

Als junge 33-j√§hrige Angestellte auf mittlerer F√ľhrungsebene in einem unbefristeten Arbeitsverh√§ltnis bei einem deutschen Kreditinstitut sollten sich die Sorgen um den beruflichen Alltag und die weitere Karriere eigentlich in Grenzen halten. So war es auch lange Zeit f√ľr Jasmin W., die nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau und ihrem berufsbegleitenden Studium mit viel Selbstbewusstsein ob ihrer F√§higkeiten und reichlich Arbeitseifer einem aussichtsreichen beruflichen Werdegang entgegenblickte. Das alles ist Geschichte, denn Sie musste Gaslighting am eigenen Leib erfahren.

Aktuelle Situation

Jasmin W. befindet sich aufgrund ihrer beruflichen Situation aktuell in psychotherapeutischer Behandlung. Ihr innerhalb Ihres Betriebs ehemals hervorragender Ruf als ‚ÄěHigh-Performerin‚Äú ist dahin, ihre Position als teamleitende F√ľhrungskraft wird sie in naher Zukunft f√ľr einen Stelle als Sachbearbeiterin ohne F√ľhrungsverantwortung in einer neuen Abteilung aufgeben; zudem k√§mpft sie um ihre Gesundheit, die unter durch ihren Vorgesetzten forcierten Leistungsdruck und der Angst, den beruflichen Anforderungen einmal nicht gerecht werden zu k√∂nnen, stark gelitten hat ‚Äď und dies inmitten ihrer Schwangerschaft.

Jasmin W. ist jedoch keinesfalls ein Opfer von Gaslighting, aber zweifelsohne eine Gesch√§digte. Ursache ihrer derzeitigen Situation sind Ereignisse, die sie sowie auch ihr Therapeut unter dem Begriff ‚ÄěGaslighting‚Äú klassifizieren. Unter dem Einfluss eines narzisstisch veranlagten Vorgesetzten wurde Jasmin W. sukzessive und auf subtile Art und Weise manipuliert, bis ihr Selbstbewusstsein sowie ihre Selbstwahrnehmung trotz hoher Leistungsperformance auf ein Minimum sanken.

Wie perfide die Manipulationstechnik Gaslighting ist, f√ľr die in drastischer Formulierung die Bezeichnung Psychoterror gerechtfertigt ist, erkl√§rt die Verhaltensmathematikerin Barbara Lampl in einem pers√∂nlichen Video-Gespr√§ch und wird ferner durch die Schilderungen Jasmin W. (Betroffene) in einem erschreckenden Interview deutlich.

Was ist Gaslighting?

Gaslighting beschreibt eine Form psychischer Gewalt, die als Manipulationstechnik auf die sukzessive Destruktion von Selbstwahrnehmung und Realit√§tsbewusstsein einer Person abzielt. Lange Zeit wurde Gaslighting als ein Ph√§nomen betrachtet, das nahezu ausschlie√ülich innerhalb romantischer Liebesbeziehungen zweier Menschen auftrete. Mittlerweile wird Gaslighting jedoch auch h√§ufig im beruflichen Alltag beobachtet, wo es aufgrund von hierarchischen Abh√§ngigkeitsverh√§ltnissen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen zu einer besonders schwerwiegenden psychischen Belastung f√ľr Betroffene mit nachhaltigen gesundheitlichen Folgewirkungen werden kann.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Betroffene im Interview: Junge Angestellte berichtet √ľber ihre Erfahrung mit Gaslighting

Das folgende Interview erfolgte im direkten persönlichen Gespräch. Aus Sorge um ihren Arbeitsplatz und negative berufliche Konsequenzen wurde dem Wunsch der Interviewpartnerin nachgekommen, im Folgenden nicht ihren wahren, sondern einen fiktiven Namen zu verwenden. Alle anderen Passagen entsprechen im Wortlaut den Fakten und Aussagen, wie sie im Interview formuliert wurden, und werden im Folgenden vollständig sowie unverändert wiedergegeben.

Hallo Jasmin, erst einmal ein gro√ües Dankesch√∂n, dass du dich √ľberhaupt bereiterkl√§rt hast, im MEGA-Magazin so offen √ľber deine sehr pers√∂nlichen Erfahrungen zu berichten, die du leider mit Gaslighting sammeln musstest.

Hallo! Ich freue mich, endlich eine Gelegenheit zu haben, auch au√üerhalb meiner psychotherapeutischen Sitzungen und nicht nur im Freundes- und Verwandtenkreis so eventuell auch anderen Betroffenen berichten zu k√∂nnen, wie folgenschwer es sein kann, √ľber eine lange Zeit und explizit im Beruf den Mechanismen von Gaslighting ausgesetzt zu sein.

Erz√§hle aber doch vorerst etwas √ľber dich und deinen beruflichen Werdegang.

Ich bin mittlerweile 33 Jahre alt und als Teamleiterin in einer F√ľhrungsposition bei einem deutschen Kreditinstitut angestellt. Bereits meine Ausbildung zur Bankkauffrau habe ich nach dem Abitur bei meinem jetzigen Arbeitgeber erfolgreich absolviert. Deswegen, aber zus√§tzlich wegen seines hohen sozialen Engagements f√ľhlte ich mich dem Unternehmen pers√∂nlich sehr verbunden. Ich war immer stolz, eine Angestellte dieses Unternehmens zu sein. Zudem finanzierte mein Betrieb sogar mein berufsbegleitendes Bachelorstudium, weswegen ich mich meinem Arbeitgeber bis heute verpflichtet f√ľhlte.

Hat sich dies denn mittlerweile geändert?

Tats√§chlich nicht, was ironischerweise auch einer der Gr√ľnde war, weswegen ich √ľberhaupt durch Gaslighting-Techniken manipuliert werden konnte, wie mir mittlerweile bewusst ist. Grunds√§tzlich kann ich wie wohl wenige andere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit √úberzeugung sagen, dass mir mein Job stets Freude bereitete. Ferner genie√üt man als Mitarbeiter in meinem Betrieb einige Benefits, die es ansonsten nur noch selten bis gar nicht zu finden gibt. Einen Arbeitgeberwechsel h√§tte ich mir daher lange Zeit nicht vorstellen k√∂nnen.

Das bedeutet demnach, dass du in j√ľngster Vergangenheit auf Jobsuche warst? Wie kam es dazu?

Damit sind wir dann wohl beim Thema angelangt. Dazu muss ich etwas weiter ausholen.

Kein Problem.

Welch Gl√ľck! (lacht) Also, ich bin jetzt circa anderthalb Jahre als Teamleiterin und somit wie gesagt als F√ľhrungskraft in meiner Abteilung beziehungsweise Gruppe t√§tig. Zuvor fungierte ich als personelles Bindeglied zwischen der F√ľhrungsetage, also dem Vorstand, und den jeweiligen Abteilungen. Da es in dieser Funktion aber ab einem gewissen Punkt keinerlei berufliche Entwicklungsm√∂glichkeiten f√ľr mich gab, bin ich in meine jetzige Abteilung gewechselt. Dort f√ľllte ich zum ersten Mal eine F√ľhrungsposition aus, f√ľr die ich mich √ľber ein zuvor erfolgreich absolviertes Pr√ľfungsverfahren f√ľr junge potentielle F√ľhrungskr√§fte nachweislich qualifizierte.

Man könnte demnach behaupten, dass du eine karriere- und zielbewusste Frau warst?

Das bin ich noch immer! Ich stamme aus einer Familie, die vor langer Zeit nach Deutschland eingewandert ist, ich selbst bin aber in Deutschland aufgewachsen, lediglich mein Nachname l√§sst noch darauf schlie√üen. Wie es f√ľr eingewanderte Familien oftmals √ľblich ist, waren wir finanziell lange nicht auf Rosen gebettet. Meine Mutter lehrte mir allerdings, dass Armut f√ľr mich kein in Stein gemei√üeltes Schicksal sein muss, sofern ich meine Ziele mit Flei√ü und Willenskraft zu erreichen versuche. Gegen Ende meiner Schulzeit √ľbte ich parallel zur Schule deswegen auch drei kleinere Nebenjobs aus. Andernfalls w√§ren mir einige sch√∂ne Erfahrungen, die f√ľr viele meiner damaligen Freude mitunter selbstverst√§ndlich waren, verwehrt geblieben.

Das alles ist beeindruckend und klingt nach hervorragenden Voraussetzungen f√ľr eine erfolgreiche berufliche Laufbahn. Diese ist nun aber ins Stocken geraten. Erz√§hl, was ist passiert?

Das ist eine gute Frage, auf die ich lange Zeit keine oder eher: eine falsche Antwort hatte. Doch ich beginne besser am Anfang. Erst einmal sollte man wissen, dass ich die zuvor erw√§hnte Eignungspr√ľfung f√ľr F√ľhrungskr√§fte besser ‚Äď oder sagen wir: zumindest gleichgut wie viele meiner m√§nnlichen Kollegen abgeschlossen habe. Trotzdem stehen einige von ihnen in meinem Betrieb auf der Karriereleiter √ľber mir, sie sind bereits Gruppenleiter oder gar stellvertretende Abteilungsleiter. Aber darum geht es hier gar nicht vordergr√ľndig.

F√ľr mich wesentlicher ist der Umstand, dass ich bis heute zwar als F√ľhrungskraft fungiere, ich allerdings nicht das f√ľr diese Position vorgesehene Gehalt bekomme. Seit Beginn meiner neuen T√§tigkeit wurde ich von meinem direkten Vorgesetzten immer wieder vertr√∂stet, und immer waren es andere Gr√ľnde, warum eine mir in meiner Position zustehende Gehaltsanpassung warten m√ľsse, beispielsweise Kostengr√ľnde. Kurioserweise wurden mittlerweile neue Mitarbeiter eingestellt, die hierarchisch unter mir stehen, deren F√ľhrungskraft und Vorgesetzte ich also bin, die aber mehr verdienen als ich.

Derlei Versprechungen gab es √ľber ein ganzes Jahr immer wieder. Mittlerweile will er davon aber nichts mehr wissen bzw. will solche Aussagen nie direkt get√§tigt haben. Angeblich h√§tte ich seine Worte falsch interpretiert oder etwas Falsches angenommen. Solche Dinge sind sehr frustrierend und haben mich auch immer wieder ins Gr√ľbeln gebracht, ob ich eventuell doch etwas falsch verstanden h√§tte. Genau das ist aber sozusagen der perfide Trick.

Gaslighting zielt in der Regel auf Konfusion bei gesch√§digten Personen ab. Diese Verwirrung entsteht meist aufgrund von L√ľgen bzw. get√§tigten Aussagen, die von einer manipulierenden Person immer wieder revidiert oder als unwahr dargestellt werden, bis eine andere Person in starke Selbstzweifel ger√§t und ihre Wahrnehmung und Realit√§t infrage stellt.

Ich ahne, dass da noch einiges mehr war, oder?

Nat√ľrlich, andernfalls w√ľrden wir ja √ľber das Gendergap reden. Schwerwiegender f√ľr mein psychologisches Wohlbefinden und demnach f√ľr meine Gesundheit sowie mein Leistungsverm√∂gen waren viele weitere Gespr√§che und Handlungen meines direkten Vorgesetzten, der, wie ich nun wei√ü, ein Narzisst ist. Dies ist mir allerdings erst k√ľrzlich bewusst geworden, da sich erst allm√§hlich offenbart, mit welchen perfiden Manipulationstechniken er mich √ľber mittlerweile ein Jahr f√ľr seine pers√∂nlichen beruflichen Zwecke und Ziele ausgenutzt hat.

Handlungen, die unter Gaslighting fallen, k√∂nnen nur von Personen ausge√ľbt werden, zu denen eine gesch√§digte Person entweder ein gro√ües Vertrauen besitzt oder die f√ľr eine gesch√§digte Person als Autorit√§t gilt, beispielsweise im Falle weisungsbefugter Vorgesetzter im Berufsleben. Da Gaslighting nicht zuf√§llig und unterbewusst angewandt wird, sondern eine bewusste und zielgerichtete Manipulation beschreibt, ist diese h√§ufig bei narzisstisch veranlagten Personen zu beobachten; auch Personen mit einer Neigung zum Kontrollzwang oder Mikromanagement greifen h√§ufig zu Gaslighting.

Kannst du das an einem konkreten Beispiel verdeutlichen?

Auch an Unz√§hligen! Nehmen wir mein letztes Feedbackgespr√§ch. Dazu sei vorab gesagt, dass er mir aufgrund meiner au√üerordentlich guten Leistungen, das waren seine Worte, permanent in Aussicht gestellt hatte, seine Position als Gruppenleiter zu √ľbernehmen, also erneut bef√∂rdert zu werden, sobald er selbst bef√∂rdert wird, was nach seinen Aussagen festgestanden habe, nur der Zeitpunkt sei unklar gewesen. Um meinen Karriereaufstieg sicherzustellen, w√ľrde er dem Vorstand sowie unserem Abteilungsleiter regelm√§√üig √ľber meine Arbeit berichten und stets hervorheben, dass die Arbeitsergebnisse, die er f√ľr gew√∂hnlich allein pr√§sentieren wollte, ganz oder gr√∂√ütenteils meine Leistungen sind.

J√ľngst habe ich nun aber erfahren, dass weder jemals eine Bef√∂rderung f√ľr mich vorgesehen war, noch dass meine Leistungen auch nur ein einziges Mal als solche nach oben kommuniziert wurden. Tats√§chlich hat er s√§mtliche Arbeitsergebnisse als seine eigenen dargestellt und mich obendrein als ‚Äěnicht belastbar‚Äú oder ‚Äě√ľberfordert‚Äú bezeichnet.

Das ist tatsächlich kaum zu fassen. Aber mit Gaslighting hat dieses zugegeben anstandslose Verhalten im Grunde noch nichts zu tun, oder?

So gesehen ist dies korrekt. Das √§ndert sich allerdings, wenn klar wird, wie es √ľberhaupt dazu gekommen ist. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ich aufgrund der zahlreichen Projekte, die mein Vorgesetzter auf eigene Initiative umsetzen wollte, die ich aber oftmals fast allein zu realisieren hatte, derartig √ľberlastet war, dass konsequenterweise das Alltagsgesch√§ft manchmal zu leiden hatte und ich beispielsweise einige Termine nicht einhalten konnte. Logischerweise wies ich ihn h√§ufiger darauf hin, dass die Extraarbeit ganz einfach nicht in der normalen Arbeitszeit zu schaffen sei; und hier setzte seine Manipulation immer wieder an.

Erst redete er mir zum Beispiel ein, dass ich, m√∂chte ich denn beruflich vorankommen, auch √ľberdurchschnittlich performen m√ľsse, ein zeitliches Problem k√∂nne es dabei nicht geben, da F√ľhrungs- und Personalaufgaben ja ‚Äěnebenbei‚Äú abzulaufen h√§tten, wie er immer betonte. W√ľrde ich dies dann nicht hinbekommen, w√§re ich meiner Rolle ganz einfach nicht gewachsen. Also habe ich es immer irgendwie hinbekommen. Daraufhin berichtete er mir meist, wie beeindruckt die F√ľhrungsetage von meinem Eifer und Leistungsverm√∂gen sei. Das war das System Zuckerbrot und Peitsche.

Unter Gaslighting fallen Handlungen einer Person, physischer wie auch kommunikativer Art, die darauf abzielen, die Realit√§ts- und Selbstwahrnehmung einer anderen Person soweit zu demontieren, bis diese meist f√ľr egoistische Zwecke manipuliert und ausgenutzt werden kann.

Ich verstehe, aber kannst du noch etwas konkreter auf seine Manipulationen eingehen und erklären, warum es sich dabei um Gaslighting handelte?

Um dies verstehen zu k√∂nnen, muss man vorab mich und meine Pers√∂nlichkeit genauer kennen, was er zum Teil tat, da wir uns etwas l√§nger kennen. Er wei√ü zum Beispiel √ľber mein hohes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein sehr gut Bescheid. Um meine Performance also sicherzustellen, streute er, wenn ich einmal Anzeichen von Erm√ľdung zeigte oder es schien, dass ich au√üerordentliche Aufgaben nicht fristgerecht fertigstellen k√∂nnte, Phrasen wie ‚ÄěIch bin sehr entt√§uscht von dir‚Äú oder ‚ÄěDas h√§tte ich dir eigentlich problemlos zugetraut‚Äú ein. Ein anderes Mal sagte er S√§tze wie ‚ÄěWir haben den Termin aber zugesagt, es w√§re unverantwortlich, diesen nicht einzuhalten‚Äú oder ‚ÄěDas Projekt wurde uns aus gutem Grund √ľberantwortet, nun sind wir auch verpflichtet, dieses Vertrauen zu rechtfertigen und es ordentlich umzusetzen‚Äú.

Mit solchen Plattit√ľden, unsachlichen Aussagen und mitunter schlicht und einfach gesagt seinen L√ľgen und Falschaussagen hat er mich leider immer wieder dazu gebracht, selbst bei Ersch√∂pfung oder √úberarbeitung weiterhin auf hohem Niveau zu arbeiten, mehr und mehr √úberstunden zu machen, anstatt nein zu sagen. Er hat permanent die Wahrheit verdreht und dadurch die Wahrnehmung meiner Situation ver√§ndert. Letztlich waren es ja niemals ‚Äěwir‚Äú, sondern allein er, der nicht realisierbare Deadlines ohne Absprache zusagte oder au√üerordentliche Projekte in die Gruppe holte, mit denen nur er sich profilieren wollte und konnte, die aber entweder ich allein oder zusammen mit meinem Team umsetzten musste. Ich hatte mit seinen Entscheidungen vorab meist gar nichts zu tun, wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und durch Manipulation zu Akzeptanz und Mitarbeit gedr√§ngt.

Gaslighting

Gaslighter drängen dich vor allem im Beruf entweder bewusst in Situationen, in denen Fehler unvermeidbar sind, oder warten auf Situationen, in denen du in Ausnahmen einen Fehler begehst, um dir diese daraufhin vorzuwerfen und auf diese Weise dein Selbstbewusstsein zu schmälern.

Und das alles ohne Gehaltsanpassung?

Ja, wie ich sagte. Zuletzt hie√ü es dann, dass meine Arbeitsleistungen die Anpassungen nicht rechtfertigten, welche mir als F√ľhrungskraft aber schon allein nach tariflicher Vereinbarung zustehen ‚Äď und das nicht erst seit jetzt. Zudem wird auch mit meiner Erkrankung argumentiert, die ironischerweise ja erst wegen √úberlastung entstanden ist, nun aber so gedeutet wird, dass ich grunds√§tzlich nicht belastbar und daher auch nicht f√ľr meine jetzige F√ľhrungsposition geeignet sei.

Dies ist aber auch nicht verwunderlich, da ja nie jemand von meiner tats√§chlichen Arbeitsleistung etwas mitbekommen hatte, ganz im Gegenteil. Auf Abteilungsleiterebene war stets nur bekannt, dass ich nicht einmal das Alltagsgesch√§ft termingerecht abwickeln k√∂nne. Und da mein Vorgesetzter mich seit dem Abteilungswechsel isolierte und jedwede Kommunikation nach oben allein √ľber ihn erfolgte, habe ich keinerlei Chance, das vorhandene Bild von mir zu √§ndern. F√ľr mich gab es schlussendlich nur den Weg eines erneuten Abteilungswechsels.

Und wie hat dein Vorgesetzter auf den Wechsel reagiert? Hast du ihn jemals direkt konfrontiert und hat er dich daraufhin widerstandslos ziehen lassen? Immerhin scheinst du gewisserma√üen das Zugpferd seiner Karriere gewesen zu sein, und das d√ľrfte f√ľr ihn nicht einfach zu ersetzen sein.

Das k√∂nnte man wohl so ausdr√ľcken. Ich habe ihm vor einigen Wochen pers√∂nlich mitgeteilt, dass ich in eine andere Abteilung wechseln m√∂chte und ihm im Zuge dessen auf sachliche Art und Weise meine Beweggr√ľnde genannt. Die gr√∂√üte Schwierigkeit f√ľr mich war, ihn dabei nicht pers√∂nlich anzugreifen. Ich konnte ihn nachvollziehbarerweise nicht als Narzissten oder systematischen L√ľgner anklagen. Das liegt vor allem darin begr√ľndet, dass er mich nahezu vollst√§ndig isoliert hatte √ľber einen sehr langen Zeitraum. Viele seiner Machenschaften und L√ľgen wurden mir lediglich auf inoffiziellem Wege bekannt, manches h√§tte ich gar nicht wissen k√∂nnen und d√ľrfen.

W√∂rtlich hatte er auf meinen Wechselwunsch mit dem Satz ‚ÄěEs lief doch so gut, wo sind wir denn nur falsch abgebogen?‚Äú reagiert, sagte aber, er w√ľrde mir keine Steine in den Weg legen, wenn dies mein Wunsch sei. Ich m√ľsse mich aber nat√ľrlich selbst auf eine intern ausgeschriebene Stelle bewerben. Nat√ľrlich hatte ich vor dem Gespr√§ch bereits die Stellenausschreibungen durchgesehen und etwas Passendes gefunden. Auch mit der Personalabteilung und dem Betriebsrat war alles abgesprochen, zudem war mein Arbeitstisch sozusagen leer, alle Aufgaben waren abgearbeitet, sodass ich theoretisch im folgenden Monat die Abteilung h√§tte wechseln k√∂nnen.

Gaslighting

Gaslighting l√§uft in der Regel subtil ab und wird sukzessive durch mehrfache Handlungen und Kommunikationssituationen √ľber einen langfristigen Zeitraum ausge√ľbt. Einzelne bzw. unregelm√§√üige Ereignisse sind noch kein Gaslighting, selbst wenn diese manipulativ sind. Gerade aus diesem Grunde wird dich ein Gaslighter aber meist nicht freiwillig „vom Haken lassen“, stattdessen aber versuchen, dich m√∂glichst solange zu manipulieren und auszunutzen, bis es deine Gesundheit nicht mehr zul√§sst.

Lass mich raten, dazu kam es aber nicht?

Nat√ľrlich nicht. Prinzipiell hatte er in diesem Fall auch nicht gelogen, er hat mir auch keine Steine in den Weg gelegt, eher waren es ganze Felsbrocken. Konkret kam es sodann zu einem Treffen zwischen der Personalabteilung, meinem Vorgesetzten und meinem potentiell neuen Abteilungsleiter, an dem ich jedoch nicht teilnehmen durfte und √ľber dessen gesamte Inhalte ich nichts wissen durfte, was mir bis heute merkw√ľrdig erscheint, da es um meine berufliche Zukunft ging und ich immer noch ein Mensch und kein Gegenstand bin.

Jedenfalls war das Ergebnis dieses Meetings, dass mein Vorgesetzter mich fr√ľhestens nach einem Jahr gehen lassen wollte, weil angeblich noch zu viele unerledigte Aufgaben auf meinem Platz lagen, was faktisch unwahr ist. Da mein neuer Abteilungsleiter die offene Stelle aber zwingend besetzen musste, sollte ich trotzdem schon parallel in meiner neuen Abteilung t√§tig sein. Deren Ideall√∂sung war es nun, mir den Stellenwechsel fr√ľhestens in einem Jahr zu erm√∂glichen und mir als √úbergangsl√∂sung einfach zwei Arbeitspl√§tze zu √ľbertragen.

Selbstverst√§ndlich bin ich umgehend gegen diese Entscheidung vorgegangen und hatte deswegen vorgeschlagen, ein weiteres Meeting mit den alten Beteiligten, aber zus√§tzlich mit mir einzuberufen. Dann h√§tte ich n√§mlich die M√∂glichkeit, zu den unwahren Behauptungen meines Vorgesetzten, es seien noch unerledigte Aufgaben vorhanden, Stellung zu beziehen. Diesen Vorschlag b√ľgelte er allerdings ab, indem er mir kurz und knapp entgegnete, daf√ľr sehe er keinen Bedarf. Es wurde f√ľr mich auch immer offensichtlicher, dass er meinen Wechselwunsch anscheinend pers√∂nlich nahm. Zwischenzeitlich warf er mit tats√§chlich vor, ihn im Stich gelassen zu haben.

Um aber eines nochmals festzuhalten: Ich hatte die Personalabteilung vorab √ľber den wahren Grund meiner Wechselabsicht informiert, was denen glaubhaft erschien, da der Wechsel de facto ein Karrierer√ľckschritt gewesen w√§re. Sie wusste also auch von meinem gesundheitlichen Zustand und der √úberlastung. Jetzt sollte ich aber nicht nur meinen alten Job behalten, sondern zus√§tzlich noch einen weiteren ausf√ľllen, und ich sollte mich dem Psychoterror noch ein weiteres Jahr aussetzen.

Gaslighting

Gerätst du mit einem Gaslighter insbesondere auf professioneller, beruflicher Ebene in Konfrontation, wird er den Disput selbst bei sachlicher Argumentation oder bei beruflichen Angelegenheiten immer auf eine persönliche, zwischenmenschliche Ebene transferieren.

Also f√ľllst du aktuell tats√§chlich zwei Stellen aus?

Ja, ich versuche es. Faktisch l√§uft es gerade so ab, dass ich mich in die fachlichen Themen meiner neuen Abteilung einarbeite, aber permanent f√ľr meinen alten und quasi immer noch Vorgesetzten auf Abruf bereitstehen muss. Wenn er also entscheidet, dass er mich braucht oder irgendwo einsetzen will, kann ich das nicht ablehnen.

Das ist kaum zu glauben. Wie kann solch eine Konstellation von oben abgesegnet werden? Ich stelle mir ohnehin die Frage, warum das Verhalten deines Vorgesetzten solange nicht aufgefallen ist. Du warst ja sicherlich nicht die erste Person, die unter seinem manipulativen Verhalten zu leiden hatte.

Das habe ich mich auch gefragt. Ganz allgemein besitzt dieser Mensch bei vielen meiner Kollegen und Kolleginnen einen gewissen Ruf. Mit manchen bin ich auch sehr gut befreundet und konnte meine Situation daher im privaten Rahmen besprechen. Verwundert war keiner von ihnen. So habe ich dann auch erfahren, dass dieser Mann persönlich und familiär mit unserem Vorstandsvorsitzenden verbandelt ist, was dann womöglich doch einiges erklärt.

Letztlich ist es auch kein Geheimnis, dass mein Vorgesetzter seine Mitarbeiter bildlich gesprochen verbrennt. Dies lässt sich beispielsweise an der Krankenstandsquote seiner Mitarbeiter ablesen, die knapp dreimal so hoch ist wie in allen anderen Abteilungen meines Betriebs. Ich hatte auch Kontakt zu einigen meiner Vorgänger. Einer von ihnen hat im Grunde dasselbe wie ich erlebt und musste mit Burnout seinen Beruf aufgeben. Ein anderer hat seine Position bereits nach zwei Monaten wieder aufgegeben, und sie alle nannten als Grund das Verhalten meines und ihres ehemaligen Vorgesetzten.

Aber immerhin wurde dir so best√§tigt, dass du dir die Manipulation nicht einbildest. Doch wie geht es denn nun weiter? Wie du mir bereits vorab erz√§hlt hattest, bist du schwanger. Deine gegenw√§rtige Arbeitssituation k√∂nnte auch f√ľr dein Kind gef√§hrlich werden.

Das stimmt, allerdings habe ich auch durch Familie und Freunde gro√üen R√ľckhalt erfahren. Zudem befinde ich mich in psychotherapeutischer Behandlung. Mein Arzt hat mir sehr dabei geholfen, die Mechanismen einer systematischen Manipulation, wie sie bei mir angewandt wurde und die als Gaslighting bezeichnet wird, zu verstehen. Gemeinsam hatten wir darauf den Beschluss gefasst, dass ein Wechsel in eine andere Abteilung oder gar in ein anderes Unternehmen die einzige L√∂sung sein kann.

Als mein Arzt k√ľrzlich von meiner Schwangerschaft erfuhr, hat er mir ebenfalls klar und deutlich zu verstehen gegeben, dass ich mich und mein Kind dieser und schon gar keiner Doppelbelastung aussetzen d√ľrfe. Sollte sich an meiner Situation also nicht in naher Zukunft etwas √§ndern, dann m√ľsste er mir zum Schutz ein Besch√§ftigungsverbot verordnen, noch bevor ich in den Mutterschutz √ľbergehen w√ľrde.

Ich bin kein Arzt, aber das klingt auch f√ľr mich sehr ratsam, auch wenn es sch√§ndlich ist, dass du und nicht der Gaslighter gehen muss.

Tja, was soll ich dazu sagen. Ich kann nur hoffen, dass der oder die N√§chste nicht so lange unter ihm zu leiden hat wie ich. Dies war auch der zentrale Beweggrund, weswegen ich diesem Interview zugestimmt habe. Niemand sollte durch Gaslighting gesundheitlichen Schaden davontragen m√ľssen. Vielleicht tr√§gt dieses Interview etwas zur Aufkl√§rung √ľber Gaslighting bei.

Das wird es sicher. Dann bedanke ich mich f√ľr deine offenen, wenn teils auch sehr schockierenden Worte und Darstellungen und w√ľnsche dir und deinem Nachwuchs alles erdenklich Gute!

Ich bedanke mich auch.

Fazit: Meine Reflektion – bin ich ein Gaslighter?

Gaslighting ist in Liebesbeziehungen, aber auch im Beruf zu finden. Selbst auf institutioneller Ebene tritt Gaslighting in Erscheinung ‚Äď und kann dort beispielsweise in Form von Massensuiziden in Kulten oder Sekten zu einem besonders drastischen und fatalen Ende, zu traurigen menschlichen Einzelschicksalen f√ľhren.

Wie am Beispiel von Jasmin W. zu sehen ist, kann ein jeder ganz pl√∂tzlich und unbewusst in die Gaslighting-Falle geraten, aus der es nur ein Entkommen gibt, wenn man die eigene Situation erkennt, sie akzeptiert, annimmt und den Willen aufbringt, den Kampf anzunehmen. Doch daf√ľr braucht es Wissen √ľber Ablauf und Mechanismen von Gaslighting.

Bedenke daher wesentliche Gaslighting-Abläufe und -Hinweise:

  1. Gaslighter suchen sich ein ‚ÄěOpfer‚Äú oder eine ganze Gruppe, die ihrem Problem entsprechen oder ihrem Zielvorhaben n√ľtzlich sind.
  2. Gasligher schaffen zuallererst eine Vertrauensbasis und/oder stärken ihre Autorität.
  3. Gaslighter agieren destruktiv und versuchen permanent, den Fokus auf deine Fehler und Schw√§chen (auch wenn diese im Grunde gar nicht existieren) zu legen, um sich selbst als ‚ÄěRetter in der Not‚Äú darzustellen und dir ein notwendiges Abh√§ngigkeitsverh√§ltnis zu suggerieren.
  4. Gaslighter versuchen meist, dich weitestgehend zu isolieren, um sicherzustellen, dass die Kommunikation von dir nach au√üen zu anderen Personen und umgekehrt immer √ľber ihn abl√§uft, sodass du dir niemals √ľber alle Fakten oder die gesamte Wahrheit bewusst bist und er einen Informationsvorsprung hat.

F√ľr mich pers√∂nlich war es besonders interessant, aber auch etwas erschreckend in meiner Reflektion zu erkennen, dass auch ich ‚Äď vollkommen unbewusst ‚Äď in meiner Kommunikation hin und wieder Aussagen t√§tigte, die mein Gegen√ľber, sofern ich derlei Aussagen √∂fter get√§tigt h√§tte, als Gaslighting h√§tte verstehen k√∂nnen. Bei einer Person habe ich mich deswegen sogar k√ľrzlich entschuldigt.

Ohnehin ist aber auch Marketing, ist Werbung de facto nichts als Manipulation. Allerdings ist es aus meiner Sicht gerade deswegen von zentraler Bedeutung, sich immer wieder zu hinterfragen, zu reflektieren und seinen eigenen moralischen Kompass, wenn n√∂tig, neu auszurichten. Denn das Online-Marketing von impulsQ soll niemandem schaden ‚Äď ganz im Gegenteil. Daf√ľr stehe ich ein.

Weitere interessante Artikel in unserem Magazin.

Martin Brosy
Ich bin vielleicht nicht SEO der ersten Stunde, aber zumindest schon seit 2010 mit von der Partie. Seitdem hat sich im Online Marketing viel getan. Google avanciert von Jahr zu Jahr zu einer Suchmaschine, die den Nutzer immer besser versteht. Search Experience Optimization wird komplexer und sollte als Teildisziplin immer mit am Tisch sitzen. Damit ich den Wandel nicht verschlafe und f√ľr unsere Kunden ad√§quat arbeiten kann, halte ich im Jahr weit mehr als zehn Vortr√§ge zu den Themen Online Marketing und Content Distribution, lasse meine Expertise zertifizieren und schreibe regelm√§√üig hier im MEGA-Magazin. Privat mache ich gerne Ausdauersport, schaue jedes Rennen unserer deutschen Biathleten und bin Papa einer kleinen Tochter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.