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Gründerstory – Im Gespräch mit Sexpsychologin Claudia Elizabeth Huber

Ein Interview mit einer SEXPSYCHOLOGIN – Passt dieses Thema eigentlich in das MEGA-Magazin? Irgendwie nicht und tatsächlich verspürte ich ein ungutes Gefühl bei dem Thema. Trotzdem – Es packte mich die Neugier. Schließlich habe ich noch nie mit einer Sexpsychologin gesprochen. Eines war jedoch klar, es soll nicht um SEX gehen. Die Gründerstory von Claudia Elizabeth Huber interessierte mich. Wie digital kann eine psychologische Beratung ablaufen? Wie erlebt Claudia als Frau das Unternehmertum. Es ist ein spannendes Interview geworden.

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Im Videointerview mit Claudia Huber. Lockerer Talk mit einer erfahrenen Unternehmerin.


Stell dich doch bitte in deinen eigenen Worten etwas näher für diejenigen Zuschauer vor, die dich und dein Business bislang nicht kennen.

Sehr gerne. Ich bin Claudia und Diplom-Psychologin. Meine fachlichen Schwerpunktthemen sind Sexualität und Organisations-Psychologie – hier mit Schwerpunkt auf das Thema Führung.

Deine offizielle Berufsbezeichnung ist Sex-Psychologin – seit wann übst du diesen Beruf aus? Eventuell kannst du auch kurz etwas über deinen beruflichen Werdegang berichten. Anders gefragt: Was war deine persönliche Motivation, Sexpsychologin zu werden?

Als Sex-Psychologin arbeite ich seit 2013. Ursprünglich komme ich aus der Arbeits- und Organisationspsychologie und habe nach meinem Diplom zunächst in einer Personalabteilung die Führungskräfte- und Personalauswahl mitbetreut. Doch ich hatte keine Aufstiegschancen. Damals hatte ich zu viel Hemmungen davor, mich gegen andere durchzukämpfen und bin dann in die psychologische Betreuung quer eingestiegen. Dort merkte ich, dass einige Probleme meiner Kunden durch ein geringes Selbstwertgefühl bezüglich ihrer Sexualität entstanden. Daraufhin beschloss ich, alles über Sex zu lernen, um Menschen besser helfen zu können.
Eine Nebenmotivation war, dass ich merkte, dass Frauen an Arbeitsplätzen häufig aus Angst vor anzüglichen Bemerkungen, ihr Verhalten anpassten. Die Lösung erschien mir auch da klar: Mehr Selbstsicherheit in puncto der eigenen Sexualität.

Und so kam es, dass ich seit 2013 Sex-Psychologin bin.

Welche Personengruppen schließt deine Zielgruppe ein? Richtet sich dein Angebot ausschließlich an Frauen oder sind auch Männer bzw. Paare willkommen? Falls Letzteres, betreust du insgesamt mehr Männer oder Frauen / Singles oder Paare? Wie erklärst du dir dieses oder jenes Verhältnis?

Mein Angebot richtet sich an alle: Männer, Frauen, andere Geschlechter, Paare, Singles und jede andere Beziehungskonstellation.
Ich schätze, dass ich 70% Paare und 30% Singles oder Menschen, deren Beziehungsstatus mir nicht bekannt ist, betreue.

Gerade, wenn es um Sex geht, glaube ich, dass Singles wenig Bedarf für sich sehen, eine Sex-Psychologin aufzusuchen. Denn ein Problem in diesem Bereich merken wir meist erst, wenn wir auf eine andere Person treffen, mit der es nicht auf Anhieb gut oder gewohnt klappt.

Bei den Singles stehen oft ganz andere Fragen im Mittelpunkt: Wie vermeide ich einen Fehltritt oder generelle Lebensfragen.

Oft kommen auch Menschen, die in einer Beziehung sind, alleine, um sich selbst zu reflektieren. Bin ich normal, kann ich das von meinem/r Partner/in fordern? Wie komm ich damit zurecht, dass ich mehr oder weniger Sex will als mein/e Partner/in?

Und es kommen auch diejenigen, die einfach ihre Führungsqualitäten im Job ausbauen wollen oder einmal ihr Team reflektieren. Das hat nichts mit Sex im eigentlichen Sinne zu tun. Bei manchen ist jedoch die Gleichstellungsfrage oder Umgang mit Sexismus im Team ein Anliegen, das sie mit mir besprechen.

Auf deiner Webseite fasst du dein Business mit den Worten zusammen: „Sexpsychologin meets female Leadership“. Hat sich aus diesem Leitgedanken dein Geschäftsmodell entwickelt oder ist dieser Leitspruch das Resultat deiner bisherigen Entwicklung auf persönlicher wie geschäftlicher Ebene?

Dieses Geschäftsmodell hat sich erst in den letzten 1-2 Jahren entwickelt. Die Themenbereiche haben über verschiedene psychologische Mechanismen Anknüpfungspunkte. Um diese jedoch zusammen zu bekommen, hat es bei mir auch ein paar Jahre der Reifung benötigt.

Apropos female Leadership, im Zuge unserer „Gegen Sexismus“-Kampagne, die auch du unterstützt hast, wurde deutlich, wie schwer es Frauen nicht nur im Online-Marketing noch immer in ihrer Rolle als weibliche Führungskraft haben. Was sind deiner Meinung die größten Probleme bzw. Hindernisse in der Bekämpfung von Sexismus am Arbeitsplatz? Ist dieses Problem auch Thema in deinem Coaching?

Die Bekämpfung von Sexismus am Arbeitsplatz hat große Hürden: zum Einen sexistische Denkmuster, mit denen wir alle aufwachsen. Allein Vorurteile darüber, was Männer und was Frauen angeblich besser können, bereitet den Boden für viele Schwierigkeiten.

Daraus resultiert, dass wir Sexismus lange üben und sich aus diesem sexistischen Weltbild Strukturen erschaffen haben. Ein häufig genanntes Beispiel ist ja der Gender-Pay-Gap – unterschiedliche Bezahlung für gleiche Leistung.

Ein anderes Problem ist mangelndes Verständnis für Sexismus selbst und die Machtstrukturen, die immer noch männlich dominiert sind. Frauen merken oft, dass es Männer einfacher haben. Männer hingegen verstehen oft nicht, dass Frauen es schwerer haben. Weshalb die Schlussfolgerung nahe liegt, dass Frauen schlicht etwas falsch machen.

Männer verstehen oft nicht, dass Frauen dazu erzogen werden, sich vor Männern in Acht zu nehmen. Das können Frauen leider meist nicht an der Büro-Tür abgeben. Deshalb brauchen wir einen generell respektvollen Umgang miteinander. Und wir brauchen sexuelle und emotionale Bildung, um bewusst mit eigenen Bedürfnissen und Emotionen umzugehen.

Außerdem brauchen wir ein kritisches Hinterfragen unserer Strukturen: Muss denn jede Führungskraft 100% arbeiten? Muss denn eine gelungene Karriere mit dem Opfer der Familie einhergehen? Aus dieser Sicht glaube ich, dass wir Sexismus auch nur mit handfesten Neuordnungen von unternehmerischen Strukturen begegnen können. Es ist ein kompletter Kulturwandel, den wir nur als gesamtgesellschaftlichen Akt bestreiten können. Jeder, der mitmacht, hilft.

Deshalb ist das Thema auf den unterschiedlichsten Ebenen auch ein Teil meiner Coachings.

Hast du selbst jemals Erfahrungen mit Sexismus gemacht? Ich könnte mir vorstellen, dass du gerade aufgrund deiner beruflichen Tätigkeit viel mit sexistischen Ressentiments, die durch männliche Chauvinisten geäußert werden, konfrontiert bist. Falls du derlei Erfahrungen gemacht hast, magst du darüber berichten? Und waren solche Erfahrungen womöglich auch ein Antrieb für dich, das Coaching „Female Leader Masterclass“ zu entwickeln?

Ich erlebe immer wieder sexistischen Einstellungen und auch Beschimpfungen. Angefangen von aufdringlichen Flirtversuchen oder wenn meine klaren Ansagen nicht respektiert werden. Bis hin zu Beleidigungen, wenn ich über Sexismus oder andere Themen berichte. Häufig bin ich auch Projektionsfläche männlicher Wünsche. Das äußert sich in Bemerkungen wie: „Dein Partner kann sich freuen mit so einer offenen Frau.“ Ich empfinde das als sehr unangebracht.

Das Coachingprogramm „Female Leader Masterclass“ habe ich unter anderem wegen der unterschiedlichen Bedingungen für Frauen im Berufsleben begründet. Und ja, das hat mit den sexistischen Gewohnheiten in unserer Gesellschaft zu tun.

„Dein Partner sagt, dass er dich unterstützt und hinter dir steht, aber den einen Handgriff mehr zu Hause tut er nicht. Und dazu kommt in kleinen, leisen Momenten dein schlechtes Gewissen, dass du ihn vernachlässigst.“ Dieser Satz auf deiner Website hat mich tief berührt, weil ich das auch als Mann bereits von einigen meiner ehemaligen Geschäftspartnern kenne. Man selbst reißt sich den Arsch auf und der Geschäftspartner genießt das Leben in vollen Zügen. Gelobt zwar Besserung, aber nichts ist passiert. Im Grunde wurde es alles nur von Monat zu Monat schlimmer. Hast du hier Tipps für mich? Wie sollte ich in solchen Situationen damit umgehen?

Das Geheimnis an Partnerschaften, egal ob sie geschäftlich oder privat sind, dass man auf ähnlichen Werten steht und einen klaren Konsens darüber schafft, was man vom jeweils anderen erwartet. Deshalb finde ich eine offene Gesprächskultur wichtig, die nicht nur, sondern auch auf Emotionen beruht. Dabei geht es nicht darum, ständig Seelenstriptease zu machen. Sondern auszusprechen, was die Versäumnisse in dir auslösen. Wenn die Person verspricht, sich zuverlässig um gewisse Kennzahlen zu kümmern, es jedoch immer wieder nicht tut, dann sprich an, dass in dir das Vertrauen ihm oder ihr gegenüber schwindet.

Manchmal hilft es auch die offensichtliche Unstimmigkeit zwischen Worten und Taten direkt anzusprechen und um Lösungsmöglichkeiten zu bitten.
Vorwürfe helfen nicht. Menschlichkeit öffnet oft Türen. Klare Kommunikation ist immer der Hauptweg. Natürlich können auch Pflichtenhefte oder regelmäßige Updates helfen.

Wenn sich keine Änderungen zeigen, dann darf man guten Gewissens Konsequenzen ziehen.

Du bietest neben der Female Leader Masterclass noch weitere Coachings an, kannst du eventuell die am häufigsten nachgefragten Coachings benennen und kurz charakterisieren?

Am häufigsten sind Paar-Coachings. Hier suchen wir zu Dritt Lösungen für Paar- oder Sex-Probleme der beiden.

Als weiteres Coaching kommen Einzelpersonen, die für sich Fragestellungen reflektieren oder Probleme lösen wollen. Es geht dabei um Probleme mit dem/der Partner/in, Fremdgehen, sexuelle Orientierung, aber auch Fragen, wie man sich im neuen Team aufstellen mag oder wenn man eine Entscheidung im Unternehmen oder für sich im Beruflichen treffen möchte.

Es kommen auch Personen zu mir, die Situationen reflektieren und einordnen wollen, um in Zukunft besser damit umzugehen. Sexismus ist dabei eine Sache.

Du bist als professionelle Sexpsychologin sehr erfolgreich. Wie schwierig war oder ist gar noch dein persönliches Branding? Wie wichtig ist es für deine „Marke“ transparent mit deinen Kunden zu kommunizieren und Aufklärungsarbeit zu leisten? Ich könnte mir vorstellen, dass es häufig Missverständnisse darüber gibt, was in deinen Coachings zu erwarten ist – und was nicht. Ist dies der Fall?

Tatsächlich ist das Branding nicht ganz einfach. Missverständnisse gibt es jedoch hauptsächlich bei männlichen Zielgruppen, die den Begriff „Sex-Psychologin“ als Umschreibung für Prostituierte sehen. Das lässt sich jedoch leicht klären. Menschen, die sich wirklich Hilfe suchen wollen, die verstehen meine Webseite und die Videos, die ich verbreite, richtig.

Und natürlich funktionieren für mich viele Plattformen nicht so leicht wie für andere Brands. Denn überall, wo Sex drauf steht, sperren amerikanische Firmen die Werbemöglichkeit. Häufig mit sehr haarsträubenden Argumenten. Da merke ich, wie sehr das Thema noch tabuisiert ist – und wie viel mehr Aufklärung und Entspannung nötig sind.

Alles in Allem glaube ich jedoch, dass potenzielle Kunden sehr wohl wissen und verstehen, dass sie solide und gute bei mir Arbeit einkaufen.

Wie stark hat die Corona-Pandemie dein Business negativ oder womöglich gar positiv beeinflusst? Letztlich zeigen jüngste Umfragen, dass sich während Corona mehr Paare dazu entschieden haben, sich scheiden lassen zu wollen. Nichtfunktionierende Beziehungen lassen sich sicherlich nicht immer auf ein schlechtes Sexleben zurückführen, aber trotzdem: Haben sich die Anfragen während der Pandemie signifikant erhöht?

Bei mir haben sich die Anfragen nicht erhöht. Denn diejenigen, die es vor Corona gemerkt haben, dass es kriselt, die haben mich auch schon davor beauftragt. Diejenigen, die es nicht gemerkt haben, die haben sich scheiden lassen oder lassen sich in den nächsten Monaten scheiden. Denn die Belastung der Pandemie wird noch Nachwirkungen haben. Das heißt natürlich nicht, dass es automatisch zur Trennung kommen muss, wenn man eine Krise hat. Doch unter Stress treffen wir oft nicht so gute Entscheidungen.

Teile deines Coachings bietest du auch online über einen Videostream an. Ist dieser Digitalisierungsschritt ebenfalls ein Resultat der Pandemie, da Präsenz-Coachings nicht mehr möglich waren, oder gibt es das Video-Coaching schon länger? Führst du auch einen eigenen YouTube-Kanal bzw. ist dieser in Planung?

Die Video-Coachings waren schon seit 2013 Teil meiner Unternehmensstruktur. Ich bin quasi mit dem PC aufgewachsen und da war es für mich ein logischer Schritt. Die Technik hat sich in den letzten 14 Monaten nur deutlich verbessert.

Und ja, ich führe einen YouTube-Kanal, den ich auch in nächster Zeit wieder deutlich aktualisieren werde. Auch da hat sich das Rad weitergedreht.

Betreibst du aktiv Online-Marketing bzw. übernimmt dies ein externer Dienstleister für dich? Aus welchen Online-Quellen beziehst du hauptsächlich deine Kunden? Ist SEO, SEA oder Social-Media-Marketing für dich am effektivsten?

Bei mir sind online Presseberichte und mein Blog die besten Marketing Strategien. SEA ist in meinem Feld schwierig und Social-Media-Kanäle sind vor allem als zweiter Schritt gut. Denn wer sucht auf Instagram schon nach einer Hilfe für das eigene Sex-Leben. Und auch für das Führungsthema sind die sozialen Medien nicht unbedingt der Hauptkanal.

Google und YouTube sind für mich daher gute Freunde.

Welche sind für dich die größten Herausforderungen innerhalb deines Online-Marketings? Du betreibst beispielsweise einen eigenen Blog auf deiner Homepage. Erfahrungsgemäß ist die Betreuung von Corporate Blogs immer mit sehr viel Arbeits- und Zeitaufwand verbunden. Magst du mir und den Zuschauern einen Einblick geben, welche Ziele du mit deinem Blog verfolgst und welche Ergebnisse du bislang erzielen konntest? Vielleicht verrätst du auch etwas über die zugrundeliegende Strategie?

Ja, es stimmt. Mein Blog benötigt viel Zeit. Meine Ziele sind jedoch ziemlich gut damit zu erreichen: zum einen möchte ich schüchternen Kunden die Scheu nehmen und ihnen zeigen, wie ich über die Themen spreche.

Außerdem möchte ich häufige Fragen beantworten oder auch zeigen, dass es für viele Fragen nachhaltige Lösungen gibt. Und ich möchte tatsächlich Wissen vermitteln.

Das soll Vertrauen aufbauen und auch zeigen, dass ich mein Fach verstehe und nicht nur aus persönlicher Erfahrung spreche. Denn die hilft in den meisten Fällen gar nicht.

Unterm Strich geht es immer um Vertrauen und darum, den Menschen, ohne sie zu sehen, Hoffnung zu vermitteln, dass ihnen in ihrer Situation geholfen werden kann.

Martin Brosy
Ich bin vielleicht nicht SEO der ersten Stunde, aber zumindest schon seit 2010 mit von der Partie. Seitdem hat sich im Online Marketing viel getan. Google avanciert von Jahr zu Jahr zu einer Suchmaschine, die den Nutzer immer besser versteht. Search Experience Optimization wird komplexer und sollte als Teildisziplin immer mit am Tisch sitzen. Damit ich den Wandel nicht verschlafe und für unsere Kunden adäquat arbeiten kann, halte ich im Jahr weit mehr als zehn Vorträge zu den Themen Online Marketing und Content Distribution, lasse meine Expertise zertifizieren und schreibe regelmäßig hier im MEGA-Magazin. Privat mache ich gerne Ausdauersport, schaue jedes Rennen unserer deutschen Biathleten und bin Papa einer kleinen Tochter.

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