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Fesselnde Video-Interviews führen: die besten Tipps für gute Fragen & spannende Inhalte!

Drei Mikrofone für Interviews nebeneinander
EIN INTERVIEW IST KEIN ZUFÄLLIG ZUSTANDE GEKOMMENES GESPRÄCH, SONDERN EINE VERABREDUNG UNTER PROFIS

Wie Du sicherlich weißt, wenn Du öfter unser Magazin besuchst, sind auch wir auf YouTube vertreten. Auf unserem YouTube-Kanal führen wir seit Anbeginn Interviews mit interessanten und kompetenten Personen aus der gesamten Online-Marketing-Szene, unterhalten uns aber ebenso mit Unternehmen und erhalten auf diese Weise spannende Insights zu innovativen Geschäftsmodellen und digitalen Businesses. Wie aber entsteht solch ein Video-Interview?

Einer der bekannteren und vor allen Dingen renommierten Experten ist zweifelsohne Markus Tirok, der mit seinem Business Moderations- und Interview-Coachings gibt. Deswegen stand es für mich außer Frage, seinen Vortrag auf der Contentixx 2021 anzusehen und meine Erkenntnisse mit Dir zu teilen. Schwerpunkt seines Vortrags waren Fragen rund um die richtige Vorbereitung und Umsetzung von Interviews, die, wie ich sehr gut weiß, eben nicht nur Frage-Antwort-Dialoge sind – besonders nicht, wenn Video-Interviews Teil einer Content-Marketing-Strategie sein sollen.


markus tirok am mikrofon

Markus Tirok

Interviewhelden

Gute Fragen – Gute Antworten. Interviews für social-media und Podcast. Irgendwas zwischen Gesabbel und Contentbooster

Key Facts:

  • Durch die Digitalisierung sind neue Interview-Formate entstanden, beispielsweise Podcasts, die einen gänzlich neuen Content-Markt entstehen ließen.
  • Interviews sind niemals zufällige Gespräche unter Freunden, sondern immer Gesprächsverabredungen unter Profis, die vorbereitet werden müssen.
  • Gute Interviews sind allein für die Zuhörer:innen gemacht und müssen diesen Mehrwerte bieten. Diese können beispielsweise unterhaltend oder informativ sein.
  • Die Interview-Führung sollte stets der/die Fragensteller:in übernehmen. Eine gute Interview-Führung zeichnet sich durch einen thematischen Fokus und zielgerichtete Fragestellungen aus.

Zusammenfassung:

Markus Tirok ist ein erfahrener Journalist, der für die ARD und Hamburg 1 arbeitete und in seinen über 3.000 geführten Interviews unter anderem Tom Cruise oder auch Helmut Kohl als Gesprächspartner hatte. Mittlerweile gibt Markus Tirok sein Wissen als Coach weiter, auf der Contentixx 2021 gab er interessante Informationen sowie Tipps und Tricks preis, die sich auch auf digitale Formate wie Podcasts bezogen und dabei Möglichkeiten und Hürden aufzeigten, wenn Interviews als Content-Formate Teil einer Online-Marketingstrategie sein sollen.


„Audio ist der neue Gin“: Online-Interviews schaffen neue Formate auf neuem Content-Markt

Wie in vielen anderen Bereichen hat die Digitalisierung in sehr kurzer Zeit auch im Bereich journalistisch-redaktioneller Inhalte eine rasante Entwicklung angestoßen. Exemplarisch wird dies unter anderem an der Vielzahl neuer Interview-Formate deutlich, aber nicht nur das.

Denn da diese neuen Interview-Formen mittlerweile auch ein beliebtes Content-Format sind, die für ganz unterschiedliche Ziele eingesetzt und auf diversen Plattformen veröffentlicht werden, hat sich das Verständnis davon, wie Interviews geplant, aufgebaut und geführt werden müssen, im Vergleich zum klassischen Interview verändert.

Wenn Interviews nach journalistischem Verständnis bestimmten Regeln folgen, dann folgt daraus wiederum, dass nicht jedes Gespräch, in dem einer fragt und einer antwortet, zwangsläufig ein Interview ist.

Markus Tirok weist in seinem Vortrag allerdings daraufhin, dass dies eben ein falscher Schluss ist und die alten journalistischen Regeln ganz und gar nicht überholt und ungültig seien; und dass moderne Interview-Formate oftmals nicht die gewünschten Erfolge einbringen, sei letzten Endes genau darauf zurückzuführen.

Die neuen Formate haben also einen neuen Markt erschaffen, aber keine neuen Regeln. Wer es aber schafft, diese alten Grundsätze auf die neuen Formate zu adaptieren, kann Interviews als Content-Booster einsetzen, da sie einige exklusive Potentiale aufweisen:

  • Moderne Interview-Formate sind besonders gut geeignet, um hohe Reichweite zu erzielen
  • Sie lassen sich auf nahezu allen wichtigen sozialen Kanälen effektiv vermarkten
  • Sie sind ein äußerst authentisches und persönliches Content-Format
  • Sie sind unter bestimmten Voraussetzungen besonders kurzweilig
  • Sie können sehr starke User Signals generieren

Welche Kriterien sind für ein (gutes) Interview zu berücksichtigen?

Wenn also Interviews nach journalistischem Verständnis bestimmten Regeln folgen, dann folgt daraus wiederum, dass nicht jedes Gespräch, in dem einer fragt und einer antwortet, zwangsläufig ein Interview ist.

Markus Tirok berichtet aus seinen Erfahrungen, dass viele Unternehmer:innen häufig eine falsche Vorstellung davon hätten, wie viel Aufwand in der Konzeptionierung guter Interviews steckt. Hier herrscht mitunter der Gedanke: Wer gut quatschen kann, der kann auch gute Interviews führen. Dem ist natürlich nicht so.

Ein ordentliches Interview weist einige grundlegende Kriterien auf. Dennoch können diese Faktoren auf eine simple Formel gebracht werden, die Du wahrscheinlich schon aus der SEO kennst: Reichweite, Autorität und mehr erreicht das Content-Format Interview nur, wenn es für spezifische Themen und Zielgruppen ausreichend Relevanz besitzt.

Wie Relevanz erreicht werden kann, ist dann die weiterführende Frage, mit der sich Markus Tirok ebenfalls beschäftigte. Zu Anfang gilt es jedoch, sich über die wesentlichen Aspekte und offenen Fragen in der Interview-Planung und -Umsetzung bewusst zu werden. Diese sind:

  • die richtige Vorbereitung
  • Interview-Führung nach Skript oder frei?
  • Ausarbeitung eines Fragenkatalogs
  • der richtige Einstieg
  • die Dramaturgie
  • zielgerichtete Interview-Führung
  • aufmerksames Zuhören

Banale Frage, überraschende Einsicht: Wie viele Akteure hat ein Interview?

Bist Du mit Deiner/m Interview-Partner:in zu zweit oder zu dritt? Markus Tirok kommt bei der augenscheinlich einfachen Rechenaufgabe eins plus eins zum Ergebnis drei, da er zusätzlich die Gruppe der Zuhörer:innen bzw. in Video-Interviews die Zuschauer:innen hinzuzählt. Dies scheint mir logisch, denn letzten Endes geht es bei Interviews, die im Content-Marketing eingesetzt werden, primär darum, die eigene Zielgruppe zu erreichen.

Soll heißen: Ein Interview soll primär nicht für Deinen Interview-Gast gemacht sein, sondern die Fragen stellen und bestenfalls Antworten generieren, die für Deine Zielgruppe relevant sind – mögen sie für die interviewte Person noch so unangenehm oder schwierig zu beantworten sein.

Ein Interview soll primär nicht für Deinen Interview-Partner gemacht sein, sondern die Fragen stellen und bestenfalls Antworten generieren, die für Deine Zielgruppe relevant sind – mögen sie für die interviewte Person noch so unangenehm oder schwierig zu beantworten sein.

Damit ist natürlich nicht gemeint, dass Du Deine/n Interview-Partner:in beleidigen oder mit unsachlichen Vorwürfen überhäufen sollst. Aber, um es in den Worten von Maruk Tirok zu formulieren, ein Interview bietet für Zuschauer:innen einfach mehr Unterhaltung, wenn ihr euch nicht nur in den Armen liegt, sondern zumindest etwas Reibung erzeugt.

Auf den Punkt gebracht: Ein Interview ist qua Definition schon nicht mit einer privaten Unterhaltung zu vergleichen, da es ein Programm, eine Message hat. Damit ist es mit anderen Content-Formaten und Unterhaltungsprogrammen vergleichbar, ob nun Film, Theaterstück oder Buchroman.

Wie lange sollte ein (Podcast-)Interview idealerweise sein?

Kurzformat oder Langformat, eher 20 Minuten oder doch 90 Minuten? Wie lang sollte ein Interview sein? Markus Tirok hat in seinem Contentixx-Vortrag über Menti.com eine Live-Befragung vorgenommen, wobei es hier nicht um die Sicht von Produzent:innen ging, sondern um die Ansicht der Zuhörer:innen.

Wieder unter Berücksichtigung, dass ein Interview eben nicht für die beiden Sprecher:innen gemacht ist, sondern für die Zuhörer:innen, war das Ergebnis: 30-40 Minuten. Das heißt: Auch wenn das Interview für Dich als Fragensteller:in sehr kurzweilig und informativ scheint, muss dies nicht auch für die Zuschauer:innen gelten. Hier ist meist nach gut einer halben Stunde die Luft raus.

Wie lassen sich mit einem Interview Mehrwerte schaffen?

Zum einen hat ein Interview als Teil einer Content-Marketing-Strategie natürlich immer ein strategisches Ziel. Hier liegt der Mehrwert für Dich oder auch die interviewte Person. Für die Zielgruppe selbst liegen die Mehrwerte verständlicherweise woanders. Und auch wenn oben meist von einem Unterhaltungsprogramm gesprochen wurde, muss dieser Mehrwert nicht immer unterhaltend sein. Mehrwerte können auch über hilfreiche Informationen oder neue Erkenntnisse geschaffen werden.

In Interviews sollte man nicht wie mit einer Gießkanne über alle möglichen Themenfelder schwenken, denn dann entstehen äußerst lange Gespräche über 70, 80, 90 Minuten, die somit zwar lang sind, aber wahrscheinlich wenig Mehrwert für Zuhörer:innen bieten.

Doch wie gelingt dies? Laut Markus Tirok ist der Schlüssel eine fundierte Vorbereitung, in welcher nicht bloß fünf mögliche Fragen stichpunktartig aufgeschrieben, sondern Fragen und mögliche Antworten einmal komplett ausformuliert und durchgespielt werden.

Vergleiche dies mit Deiner Vorbereitung eines 30-minütigen Power-Point-Vortrags. Bereitest Du Dich dafür auch nur 20 Minuten vor? Sicherlich nicht. Markus Tirok hat insgesamt drei Tipps für bessere Interviews, die Mehrwerte für Deine Zielgruppe schaffen.

  1. Ein Interview ist kein zufällig zustande gekommenes Gespräch, sondern eine Verabredung unter Profis. Beide Seiten sollten das Interview daher planen und aktiv mitgestalten. Nur weil Du ein Experte auf Deinem Gebiet bist, folgt daraus nicht, dass Du auch gute Fragen und Antworten auf dem Stegreif stellen und geben kannst.
  2. Es gibt keine schlechten Interview-Gäste, aber eine schlechte Interview-Führung bzw. schlechte Fragestellungen. Nur wenn Deine Fragen nicht zielführend formuliert sind, hat die interviewte Person doch die Möglichkeit, zu kurz, zu lang oder ausweichend zu antworten.
  3. Gestalte Deine Interviews ausnahmslos für Deine Zielgruppe und setze einen klar definierten thematischen Fokus, um die Erwartungen der Zuhörer:innen an das Interview erfüllen zu können. Dabei hilft es, das Interview einmal verkehrt herum durchzudenken. Anstatt also nur die Fragen auszudenken, solltest Du überlegen, welche Antworten Du hören möchtest und darauf die darauf abzielenden Fragen zu erarbeiten.

Führung übernehmen: So gestaltest Du Ablauf und Fragen guter Interviews

Eine nach Markus Tirok grundlegende Regel für Dich als interview-führende Person ist es, die Verantwortung für den Ablauf des Interviews zu übernehmen. Das bedeutet, dass es an Dir liegt, durch gezielte Fragestellungen und die richtige Einführung ins Interview den roten Faden vorzugeben und sicherzustellen, dass der thematische Fokus beibehalten wird. Auch hierfür hat Markus Tirok einige Tipps parat:

  • Stelle deinen Gast vor! Überlässt Du Deinem Gast die Vorstellung seiner Person, läufst Du Gefahr, dass die ersten zehn Minuten ein Monolog über den Lebenslauf werden. Das möchtest Du in der Regel aber nicht. Versuche daher, selbst die wichtigen Eckpunkte in der Biographie des Gastes zu benennen und schnell den Einstieg in das zentrale Interview-Thema zu finden.
  • Vermeide zu allgemeine Fragen! Auch dieser Punkt erscheint nachvollziehbar, da zu „große“ Fragen ebenso große und ausufernde Antworten provozieren, die schnell vom thematischen Interview-Schwerpunkt abweichen und Dich dazu zwingen, Deinen Interview-Gast zu unterbrechen, was immer eine unschöne Handlung ist. Ein Beispiel: „Wie sieht dein beruflicher Alltag aus?“ wäre eine deutlich zu allgemeine Frage. Besser wäre: „Was sind die zwei wichtigsten konkreten Linientätigkeiten in deiner Funktion als Chef-Redakteur für das MEGA Magazin?“.

Mein Fazit: Nur gute Fragen führen zu guten Antworten

Ich muss zum einen zugeben, dass ich aus dem Contentixx-Vortrag von Markus Tirok viele Dinge für meine zukünftigen YouTube-Interviews mitnehmen kann, was mich natürlich erfreut. Zweitens bedeutet dies aber, dass die vergangenen Interviews hier und da nicht so ganz den optimalen Vorgaben für gute Interviews entsprachen. Wie komme ich darauf?

Nun, zum einen habe ich meine Interviews häufig so aufgebaut, dass mein Interview-Gast sich selbst vorstellen musste, woraus tatsächlich manchmal zu lange und mitunter eventuell langweile Monologe für Zuschauer:innen wie Dich entstanden sind. Das werde ich also künftig ändern.

Zum anderen – und das war für mich sehr überraschend – hat Markus Tirok empfohlen, Interview-Gästen die geplanten Fragen vorab nicht zukommen zu lassen, was bis jetzt ein Standard-Vorgehen war. Teils kann ich diesen Tipp nachvollziehen, da dadurch unter Umständen eine natürliche Gesprächssituation entsteht und man nicht Gefahr läuft, dass ein gut vorbereiteter Interview-Gast womöglich seine Antworten bereits vorformuliert und dann vorliest. Zudem ist es dann nicht möglich, dass dieser darum bittet, einige Fragen zu streichen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass manche Gäste einem Interview nur zustimmen wollten, wenn sie die Interview-Fragen vorab einsehen durften.

Ein für mich aber besonders vielversprechender Tipp war der Verzicht auf eine sogenannte „Icebreaker-Frage“ zum Einstieg. Markus Tirok empfiehlt stattdessen, direkt mit einer „Karacho-Frage“ zu starten, um unmittelbar die Aufmerksamkeit der Zuhörer:innen zu haben. So soll es zukünftig dann auch sein.

Patrick Stolp
Noch während der Gymnasialzeit fand ich den Einstieg in das Online-Marketing, wenig überraschend als Texter. Mein beruflicher Werdegang war vorgezeichnet, schon allein, da mir das gelesene wie geschriebene Wort seit Kindesbeinen an näher war als das gesprochene. Aus meinem Faible für Schrift und Geschriebenes erwuchs eine Faszination für Suchmaschinen und Suchanfragen. Nach einer Agenturgründung und einigen Jahren als Unternehmer und Freiberufler fand ich beim MEGA-Magazin zu meiner Leidenschaft zurück, wobei meine Leistung unterdessen weit über das Schreiben hinausreicht. Ich bin kein reiner SEO, nicht ausschließlich Texter, ich bin Content Marketer, mehr noch: Ich bin Content Creator.

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