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„Voice Search“-Marketing: Sprichst du schon oder schreibst du noch?

Mikro im Vordergrund; daneben verschiedene Voice-Search-Icons
DIE ZUKUNFT DER SEO LIEGT IM VOICE-CONTENT-MARKETING

Auf der Smartwatch, in Lautsprechern und – natürlich – auf dem Smartphone: Sprachassistenten erobern die modernen elektronischen Endgeräte und sollen es zukünftig noch einfacher machen, Fragen und Suchbefehle an die Maschine zu richten sowie informative Antworten und Suchergebnisse von ihr zu erhalten.

Verständlich, dass Google ein solcher digitaler Trend mit disruptivem Potential nicht entgangen ist, ganz im Gegenteil. Abseits Googles hauseigenem Sprachassistenten „Google Assistant“ wurde das Sprechen mit der Maschine auf den Google-Suchalgorithmus ausgedehnt: Voice Search oder Sprachsuche nennt es sich, wenn mithilfe der Suchmaschine sozusagen audiolingual ganz ohne getipptes Wort im Google-Index Informationen recherchiert werden.

Mit dem simplen Sprachbefehl „Ok, Google“ wird die Suchmaschine für eine Voice Search aktiviert. Manche Branchenkenner sehen in der Voice Search einen der zentralen zukunftsweisenden SEO-Trends, obwohl die Google-Sprachsuche schon vor Jahren eingeführt worden war, bis heute hierzulande aber eher eine Nebenrolle im Online-Marketing, speziell in der SEO einnimmt.

Wie die Zukunft auch aussehen mag, ein näherer Blick auf die Voice Search sowie auf Voice (Search) Marketing, das sich mehr auf Marketingpotentiale von Sprachassistenten wie Amazons Alexa fokussiert, scheint gerechtfertigt.

Worauf sollten Online-Marketer, SEOs und Co. in Zukunft also achten, wollen sie mit ihren Projekten und ihrem digitalen Business auch unter der Voraussetzung einer vermehrten, womöglich aber auch im Vergleich zur klassischen Textsuche andersartigen Nutzung der Sprachsuche erfolgreich sein?

Was ist Voice Search?

Voice Search bzw. Sprachsuche bezeichnet einen Dienst, der es ermöglicht, per Sprachbefehl Suchanfragen an die Suchmaschine zu stellen. Voice Search muss somit von der allgemeinen Nutzung von Sprachassistenten abgegrenzt werden, denn nicht jeder Sprachbefehl an Sprachassistenten wie Alexa oder den Google Assistent zielt zwangsläufig auf eine Informationsrecherche ab bzw. ist als Suchbefehl an eine Suchmaschine zu verstehen.

Die Nutzung von Sprachassistenten ist nicht mit Voice Search gleichzusetzen. Nicht jeder Sprachbefehl an einen Sprachassistenten ist zeitgleich eine Suchanfrage. Zwar ist Voice Marketing im Online-Marketing insgesamt mittlerweile deutlich populärer als noch vor einigen Jahren, vor allem Voice-Content-Marketing, speziell für SEO ist aber fast allein Voice Search relevant.

Obwohl die neue Suchmethodik erst seit neuester Zeit mehr und mehr Aufmerksamkeit gewinnt, wurde der Service bereits im Jahr 2011 von Google eingeführt, obgleich vorerst nur auf Google.com.

Ende 2012 ließen sich per Voice Search Suchanfragen mobil über das Smartphone an Google stellen. 2013 eroberte „Google Voice Search Hotword“ den Desktop-PC, auch wenn hierfür der hauseigene Browser Google Chrome benötigt wurde.

Mit der Voice Search schuf sich der kalifornische Konzern zu jener Zeit ein Alleinstellungsmerkmal, welches für den damals noch nicht allseits beliebten Google-Browser Chrome Überzeugungsarbeit bei skeptischen Nutzern leisten sollte.

Mit der Öffnung der Voice Search für mobile Endgeräte wurde die Sprachsuche für deutschsprachige Nutzer eingeführt. Mittlerweile können sich viele Menschen ein Smartphone ohne integrierte Voice Search kaum noch vorstellen. Standardmäßig ist beispielsweise auf den neuen Samsung-Galaxy-Modellen die notwendige App für die Google Voice Search vorinstalliert.

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Ob Android oder iOS, Google hat seine Sprachsuche auf sämtlichen mobilen Endgeräten einführen können.

Alternativ lässt sich die App kostenfrei im Google Play Store herunterladen. Selbst Besitzer eines Apple iPhones dürfen sich die Google-(Sprachsuch-)App herunterladen und besitzen somit eine Alternative zu Siri. Seit 2012 ist Googles Voice Search auf iOS verfügbar.

Wie funktioniert Voice Search? Welchen Nutzen bringt Voice Search?

Selbstverständlich soll die Sprachsuche vor allem eines sicherstellen: mehr Komfort bei der alltäglichen Nutzung der Suchmaschine Google. Denn eines dürfte klar sein: Die meisten Menschen sprechen deutlich schneller, als dass sie tippen; und da für viele Menschen gerade das Hinabblicken und Tippen auf dem Smartphone beim Gang durch die Fußgängerzone fast lebensbedrohlich sein kann, wird mit der Voice Search nicht nur für mehr Sicherheit im Alltag gesorgt, sondern es werden auch noch die letzten Zehntelsekunden aus einer vollzogenen Google-Suche herausgeholt.

Spaß beiseite: Natürlich gibt es durchaus interessante und für viele Personengruppen längst überfällige Vorteile durch die Google Voice Search. Um aber auch denjenigen die neue Suchmethodik näherzubringen, denen das Sprechen mit einer Suchmaschine endgültig zu futuristisch ist, hat Google bereits 2011 ein Promotion-Video produziert, in dem gleich mehrere mögliche Anwendungszwecke für die Voice Search aufgezeigt werden.

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2011 waren viele überzeugt, dass der Voice Search die Zukunft gehöre. Zumindest in Deutschland hat sich diese Prognose bislang nicht wirklich bewahrheitet. Doch dies könnte sich ändern.

Routen finden, wenn man es auf der Radtour besonders eilig hat, Begriffe in eine andere Sprache übersetzen, wenn man im Urlaub gerade das richtige Wort für „Danke“ nicht findet, Infos abrufen, wenn die Hände während der Fahrt besser am Steuer verbleiben, und vieles mehr.

Die Google Voice Search – und dies steht außer Frage – macht den Umgang mit Google auf alle Fälle einfacher und verspricht höheren Komfort im Alltag, insbesondere natürlich in Situationen, in denen Eile gefragt ist oder die Aufmerksamkeit besser nicht auf dem Display liegt.

Denn mehr als der Befehl „Ok, Google“ ist zur Aktivierung der Voice Search nicht vonnöten. Alternativ kann aber auch das kleine Mikrofon am rechten Rand der Google-Suchmaske mit der Maus oder dem Finger angeklickt werden, wie im obigen Video zu sehen ist.

„Die Voice Search lässt sich somit ebenso als ein Schritt in Richtung Barrierefreiheit verstehen, und dieser ist überfällig.“

Darüber hinaus hilft die Google Voice Search bestimmten Personengruppen, die beispielsweise aufgrund einer Behinderung eingeschränkt sind und auf einer herkömmlichen Tastatur nicht tippen können, ebenso älteren Menschen oder Analphabeten, die zu unserer Schande leider oft nicht berücksichtigt werden. Die Voice Search lässt sich somit ebenso als ein Schritt in Richtung Barrierefreiheit verstehen, und dieser ist überfällig.

Ob man diesem Trend als Google-Nutzer, der nicht aufgrund einer körperlichen Einschränkung o.Ä. auf die Sprachsuche angewiesen ist, nun folgen möchte oder nicht, bleibt selbstverständlich dir selbst überlassen. Als Person, die im Online-Marketing tätig ist, speziell in SEO, sollte dieses Thema allerdings nicht von dir unbeachtet bleiben.

Denn aktuelle Zahlen zeigen: Bereits über 30 Prozent aller User nutzen Sprachassistenten regelmäßig – und ja, in Deutschland! Das belegen gleich mehrere Studien aus den vergangenen zwei Jahren:

  • Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag von MasterCard (Quelle)
  • Die „Smart Speaker Studie“ von beyto (Quelle)
  • Die Studie „E-Commerce Trends 2020“ im Auftrag von idealo.de (Quelle)
  • u.v.m.

Wer den Trend also verschläft und seine Seiten nicht rechtzeitig auf Voice Search optimiert, nun, dem könnte dasselbe drohen, das vielen Menschen passiert ist, die Content-Marketing ignoriert und bis heute nicht verstanden haben, dass die Zeit der One-way-Kommunikation, da Content allein von Marken und Unternehmen erstellt und in eine Richtung kommuniziert wurde, vorbei ist.

Da passt es gut, dass die Sprachsuche in vielerlei Hinsicht für sprach-basiertes Content-Marketing, also Voice-Content-Marketing, geeignet ist. Doch dazu komme ich später noch ausführlicher.

Zahlen und Fakten: Darum ist Voice Search für Suchmaschinenoptimierung wichtig!

Oben wurde es bereits erwähnt: In Zukunft wird sich das Verhalten von Google-Nutzern stark ändern, immer mehr Menschen werden Voice Search verwenden. Dass diese Prognose sich allmählich bewahrheitet, wird klar, schaut man auf die folgenden Zahlen und Fakten rund um das Thema Sprachsuche:

  • Die Zahlen fallen je nach Studie teils recht unterschiedlich aus, insgesamt soll die Voice Search in circa 20-60 Prozent aller Anwendungsfälle in Deutschland für Informationsrecherchen über die Suchmaschine genutzt werden.
  • Am häufigsten werde Sprachsteuerung zum Zwecke einer Voice Search im Auto bzw. während des Autofahrens genutzt (circa von jedem Dritten), darauf folgten die Nutzung im Bett und in der Küche (knapp jeder Sechste).
  • Gut die Hälfte aller Sprachsuchanfragen soll zur Abfrage von Verkehrs-, Wetterinformationen oder allgemeinen Nachrichten erfolgen, knapp 40 Prozent können als allgemeine Wissensfragen bezeichnet werden, die häufig als W-Fragen formuliert würden.

Schwierig vorzustellen also, dass der Trend urplötzlich abbricht; und es ist der Beweis, dass zukünftig keiner behaupten kann, Voice Search habe ihn oder sie überrascht und es sei nicht genug Zeit gewesen, die eigene Webseite auf die Sprachsuche zu optimieren. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. SEOs sind längst aufgefordert zu handeln.

Und auch der logische Menschenverstand zeigt zahlreiche Vorteile und Gründe auf, warum Voice Search der digitale Trend unserer SEO-Szene sein dürfte. Man bedenke nämlich nicht nur die Schnelligkeitsvorteile durch das Sprechen gegenüber dem Tippen, sondern auch weiteren Praxis-Nutzen.

Beispielsweise würde auch die gleichzeitige Bedienung zweier Monitore einfacher bzw. überhaupt erst möglich werden, was viele Menschen erfreuen dürfte, die sich mit Multitasking schwertun und auf der Arbeit darauf angewiesen sind, an mehreren Bildschirmen parallel zu arbeiten.

Ganz davon abgesehen steigt natürlich die Nutzung von Smartphones und somit die Zahl mobiler Suchanfragen. Und mobil dürfte die Voice Search, wie aufgezeigt, noch deutlich mehr Vorteile bringen. Ich fasse zusammen:

Voice Search wird der SEO-Trend der kommenden Jahre, weil…

  1. die Sprachsuche endlich marktreif geworden ist: Nur noch circa acht Prozent aller gesprochenen Wörter werden von Google falsch gedeutet.
  2. das Sprechen wesentlich einfacher und schneller vonstattengeht als das Tippen: Im Schnitt sprechen Menschen 100-150 Wörter in der Minute, sie tippen aber lediglich um die 40 Begriffe.
  3. es endlich möglich wird, an mehreren Bildschirmen gleichzeitig zu arbeiten.
  4. die mobile Suche immer häufiger auftritt und Voice Search gerade unterwegs ihre Stärken ausspielen kann.

Voice is King? So verändert Voice Search den Umgang mit der Suchmaschine

Ich habe es oben zumindest ansatzweise bereits aufgezeigt, was mit der Sprachsuche möglich sein wird. Natürlich reichen die Anwendungsgebiete noch weiter. Denn arbeiten Sprachsuche und Sprachassistent zusammen, lassen sich zukünftig nicht nur Fragen beantworten, die allgemein, also nicht personenbezogen, sind, wie „Wann fährt der nächste Bus?“, sondern es können auch Antworten auf personalisierte bzw. nutzerbezogene Fragen gegeben werden, wie „Wann ist mein nächster Termin?“.

Hier zeigt sich explizit, wie Voice Search den Umgang mit Google langfristig verändern könnte. Denn aus der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine, die bislang einseitig geprägt war und somit eher monologisch ausfiel, weil der Mensch genau vorgeben musste, wonach er sucht, könnte sich in Zukunft ein realistisches Gespräch entwickeln, ein Dialog, in dem die Suchmaschine Suchanfragen eigenständig personalisiert und beispielsweise bei der Spracheingabe „Ich will einen Pullover kaufen“ nicht willkürlich einen Online-Shop anzeigt, sondern stattdessen auf Grundlage persönlicher Daten, die aus früheren Suchanfragen gewonnen wurden, individualisierte Suchtreffer bereitstellt.

In diesem Fall könnten also Pullover angezeigt werden, die zum Geschlecht des Nutzers passen, die sich stilistisch und farblich an früheren Einkäufen orientieren und preislich in dem Rahmen früherer Pullover-Käufe liegen usw. Noch kann dies zwar nicht immer umgesetzt werden, denkbar ist diese Entwicklung aber schon.

„Denn was passiert, wenn die Maschine zukünftig nicht nur Kontext und Intention von Suchanfragen erkennt, sondern zusätzlich Emotionen „hört“? Der Tonfall könnte Aufschluss über den Gemütszustand des Users geben: Ist dieser betrunken? Vielleicht aber auch verletzt oder traurig? All dies könnte in der Zusammenstellung einer Suchergebnisliste berücksichtigt werden, sicher sogar noch viel mehr.“

Natürlich sind die Möglichkeiten personalisierter Suchergebnisse noch wesentlich vielfältiger, wenn man den Kernpunkt der Voice Search bedenkt. Denn was passiert, wenn die Maschine zukünftig nicht nur Kontext und Intention von Suchanfragen erkennt, sondern zusätzlich Emotionen „hört“? Auf eine Voice Search könnte zum Beispiel eine Stimmenanalyse erfolgen, wodurch Hinweise auf das Geschlecht oder Alter des Nutzers möglich sind, die Google auswerten könnte, oder der Tonfall könnte Aufschluss über den Gemütszustand des Users geben: Ist dieser betrunken? Vielleicht aber auch verletzt oder traurig?

All dies könnte in der Zusammenstellung einer Suchergebnisliste berücksichtigt werden, sicher sogar noch viel mehr. Noch interessanter – und komplexer – wird es, wenn Suchergebnisse einer Sprachsuchanfrage nicht mehr klassisch als Liste verschiedener Links, Snippets usw. wie in den gegenwärtigen SERPs auf einem Display erscheinen, sondern selbst wiederum auditiv wahrnehmbar sind, da die Antwort von einem intelligentem Lautsprecher bzw. Sprachassistenten sprachlich ausgegeben wird.

So verbessert Google die Qualität von Suchergebnisse der Voice Search

Natürlich ist es noch ein relativ weiter Weg, bis all diese Dinge in die Praxis umgesetzt werden können. Fakt ist aber auch, dass Voice Search – vorausgesetzt die Entwicklung geht weiter wie bisher – den Umgang mit der Suchmaschine stark verändern wird. Je öfter die Sprachsuche genutzt wird, desto mehr lernt die Maschine uns kennen.

RankBrain nennt sich diese Künstliche Intelligenz (KI), die Google 2015 in seinen Algorithmus integriert hat und sicherstellt, dass wir in ferner Zukunft mit der Maschine vielleicht so kommunizieren können wie mit einem guten Freund. Der Grundstein für die Möglichkeit, menschliche Sprache maschinell zu verarbeiten, wurde von der Wissenschaft bereits in den fünfziger Jahren gelegt, eine herausragende Rolle spielte der Brite Alan Turing, der den sogenannten Turing-Test entwickelte, mit dem menschliches und maschinelles Denkvermögen verglichen und überprüft werden konnte.

Dass Google, also die Suchmaschine, mittlerweile sehr gut versteht, was die Intention einer Suchanfrage ist, und nicht nur ein wörtliches Verständnis mitbringt, und Voice Search überhaupt realisiert werden konnte, ist insbesondere einem hochkomplexen Verfahren zuzuschreiben, welches Wissen aus verschiedenen Disziplinen wie der Informatik oder (Computer-)Linguistik zusammenführt: Natural Language Processing, kurz: NLP. Aus den Kenntnissen dieses Verfahrens ist das Sprachverständnis der Google-Suchmaschine entstanden. Google analysiert Suchanfragen heutzutage auf verschiede Art und Weise, vereinfacht dargestellt:

  • Lexikalisch: Aufteilung in sinnzusammenhängende Wörter oder Wortgruppen zur Findung wesentlicher Bedeutungsmerkmale und semantischer Relationen
  • Morphologisch: Erkennung der syntaktisch-grammatikalischen Strukturen
  • Semantisch: Versuch eines metasprachlichen Verständnisses durch Untersuchung von Relationen und Kontext
  • Pragmatisch: gewissermaßen eine Zeichen- und Kommunikationssituationsanalyse; klärt bspw., ob die Suchanfrage wirklich eine Frage ist und nicht eine Aussage, ob nach einer Schritt-für-Schritt-Anleitung oder Definition gesucht wird

Ferner arbeiten die Qualitätsprüfer bei Google eifrig an der Verbesserung der Voice Search. So hat Google erst vor einiger Zeit neue Richtlinien für die Qualitätsprüfer ausgegeben, bei der es um die formale und inhaltliche Bewertung der gesprochenen Suchergebnisse von Sprachsuchen geht. Die zentralen Kriterien sind:

  • Länge: Entsprach die Länge der Antwort der Komplexität der Suchanfrage? War diese ausführlich/kurz genug?
  • Formulierung/Ausdruck: War die Antwort grammatikalisch korrekt? Hätte sie ein Muttersprachler so formuliert? War der Ausdruck verständlich, eindeutig und einer natürlichen Kommunikation zweier Menschen entsprechend?
  • Sprache/Aussprache: War die Antwort akustisch klar zu verstehen? Wurde zu schnell/langsam gesprochen? Wurde richtig betont?
Beispiel einer Evaluierung der Evaluation of Search Speech - Guidelines 1.0 von Google
So evaluieren die Qualitätsprüfer von Google die Ergebnisse einer Voice Search. Quelle: Google: „Evaluation of Search Speech – Guidelines 1.0“

Sicherlich ist bis hierhin nur ein oberflächlicher Eindruck davon entstanden, wie die technischen Zusammenhänge der Voice Search aussehen; um ehrlich zu sein, fehlt mir für weiterführende Erläuterungen sicher einiges an technischer Kompetenz. Zum Glück arbeite ich aber im Marketing.

Sinn und Zweck war es nämlich lediglich, dir zu verdeutlichen, dass eine Optimierung auf sprachliche Suchanfragen gewiss nicht einfacher werden wird als die gegenwärtige Optimierung auf – zumeist – geschriebene bzw. getippte Suchanfragen – eher im Gegenteil.

Voice Search vs. Text Search: Das gibt es für SEO zu beachten

Wer schon einmal die Google Voice Search genutzt hat, dem wird womöglich selbst aufgefallen sein, dass wir dort anders mit Google umgehen, als wenn wir tippen. Fragen wir zum Beispiel nach dem Wetter, geben wir mittlerweile ganz selbstverständlich nur „Wetter Standort“ in die Google-Suchmaske ein, vielleicht sogar nur das Wort „Wetter“.

Sprechen wir allerdings mit Google, neigen wir dazu, vollständige Sätze bzw. Fragen zu verwenden wie „Wie wird das Wetter heute in Berlin?“. Dass diese Formulierungsweise von Suchanfragen praxisrelevante Auswirkungen auf die Suchmaschinenoptimierung der Zukunft haben wird, dürfte klar sein. Doch dies ist längst nicht alles.

Länge der Suchanfragen

Aus der obigen Einführung ist es bereits ersichtlich geworden. Gesprochene Suchanfragen werden meist deutlich länger sein als getippte. Dies veranschaulicht recht ansprechend die folgende Grafik.

Vergleich der durchschnittlichen Wortzahl von Suchanfragen der Text Search und Voice Search
Es ist davon auszugehen, dass Suchanfragen per Sprachbefehl im Schnitt mehr Wörter vorweisen, also Longtail sind, als Text Searches. Datenquelle: moz.com

Frage-Antwort-Stil

Ebenso wahrscheinlich ist es, dass häufiger W-Fragen in der Voice Search gestellt werden als im bisherigen Durchschnitt: „Wann beginnt der Tatort?“, „Wer hat den Joker im letzten Batman-Film gespielt?“, „Wo befindet sich das nächste Krankenhaus?“ usw.

Auch hier zeigt sich, dass sich Voice Search mehr und mehr einem konventionellen Gespräch zwischen zwei Menschen angleichen wird, in welchem der eine fragt, der andere antwortet, die Maschine nun aber imstande ist, die Intentionen der Frage des Gegenübers abzuleiten.

Spezifische Longtail-Keywords

Werden die Suchanfragen, also die Keywords, immer länger, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass es in Zukunft nicht nur attraktiver würde, mehr auf spezifische Longtail-Keywords zu optimieren, sondern essentiell sein wird.

Bislang korrelierten generische Keywords, also Suchanfragen, die nur aus 1-2 Wörtern bestehen und eher allgemein gehalten sind und keine konkrete Bestimmung der Suchintention zuließen, mit hohen Suchvolumen. Hier fielen Keyword-Recherche und letztlich die Optimierung sehr schwer und sie waren meist nur mit hohem Aufwand zu realisieren.

Hohe CPC und eine geringe Conversion Rate waren hier die größten Probleme. Auf Longtail-Keywords, die wesentlich spezifischer waren und sind, ließ sich einfacher optimieren. Problem war hier die meist geringe Suchanfrage. Mit der Voice Search könnte sich dies nun ändern.

Mehr lokale Suchanfragen

Wird Voice Search vor allem mobil eingesetzt, dürfte es ebenso wahrscheinlich sein, dass die Sprachsuche oft einen lokalen Bezug vorweist. „Wo ist das nächste Restaurant in meiner Nähe?“ oder „Wer ist die beste SEO in Deutschland?“. Local SEO dürfte in Zukunft also ebenso für all diejenigen von Bedeutung sein, die Kunden vor allem aus der näheren Umgebung des Firmenstandorts gewinnen.

Fragen werden zu Handlungen

Statistiken belegen, dass bei der Sprachsuche deutlich häufiger Handlungsaufforderungen registriert werden als bei der Textsuche. Dies hat insbesondere damit zu tun, dass die Spracheingabe auch für Sprachassistenten genutzt wird.

„Rufe Martin an” oder „Starte Spotify” sind allesamt Handlungsaufforderungen an Google Assistant, die nicht mit einer Suchanfrage in Verbindung stehen. Trotzdem ist dieser Umstand nicht unwichtig für SEO. Denn Handlungsaufforderungen können natürlich auch mit einer Google-Suche in Verbindung stehen.

„Mache mir einen Termin beim günstigsten Friseur in Kiel” oder „Bestelle mir eine Pizza bei der besten Pizzeria in Hamburg” sind exemplarische Handlungsaufforderungen, die natürlich eine Google-Suche erfordern, zukünftig vielleicht über den Sprachassistenten abgewickelt werden und auch für SEO interessant sind.

Wie also zu sehen ist, könnte sich die SEO-Welt schon bald rapide ändern, wodurch sich wiederum die Arbeit von Online-Marketing-Agenturen bzw. SEOs stark verändern wird. Als womöglich größte Herausforderung dürfte aber der Umstand gelten, dass mit der Voice Search wohl nur noch der erste Rankingplatz von Bedeutung sein wird.

Denn während man bei der Textsuche ab und an ja tatsächlich noch weitere Ergebnisse als die ersten zwei betrachtet, wird dies bei der Voice Search wohl nicht mehr der Fall sein. Wer sich die „beste Pizza in Hamburg” über die Spracheingabe bestellt, hat keine Lust oder Zeit, sich mit Suchergebnissen zu beschäftigen, sondern wird dem Google-Ergebnis praktisch blindlings vertrauen.

Ziel wird es also sein müssen, sich stets ganz oben für eine spezifische Suchanfrage zu positionieren. Dies mag vorerst als große Herausforderung erscheinen, bietet aber auch Chancen. Denn klar, wenn die Suchanfragen über Voice Search, wie oben aufgeführt, zum einen länger, zum anderen spezifischer werden, erhöht dies auch die Zahl der Suchanfragen insgesamt und somit die Möglichkeiten und Chancen, auf spezifische Longtail-Keywords erfolgreich zu optimieren.

Wie optimiere ich meine Webseite für Voice Search? 5 Schritte zum Erfolg

Nun, da also beantwortet wurde, WARUM Voice Search in Zukunft für Suchmaschinenoptimierung ein großes Thema sein und WIE sich Voice Search in der Praxis manifestieren wird, bleibt die Frage, WAS es für SEOs in Zukunft zu beachten gilt.

Womit ich nun beim eigentlichen Thema wäre: Wer nach Content is King und Mobile is King nun auch an Voice is King glaubt und seine Projekte auf Voice Search optimieren möchte, sollte die folgenden Schritte beachten:

Optimiere deinen Content „voice-search-friendly”

Starke Inhalte und eine für Mobilgeräte optimierte Webseite vorweisen zu können, das ist das eine. Aber über die Sprachsuche gefunden zu werden, das ist das andere. Anhand der oben geschilderten charakteristischen Eigenheiten der Voice Search scheint es mir ratsam zu sein, seinen Content auf im buchstäblichen Sinne SuchanFRAGEN zu optimieren. Da diese auch spezifischer werden, sollte vor der Content-Optimierung die Frage erfolgen, welche Personengruppen mit welcher Intention ich mit meinem Content ansprechen möchte. Zur Illustration dient diese Grafik:

Suchanfragen als W-Fragen zu verschiedenen Stationen des Marketing-Funnels am Keyword-Beispiel "Auto"
Es gibt zu jedem Keyword viele verschiedene Suchanfragen zu den unterschiedlichen W-Fragewörtern. Quelle: MEGA

Natürlich liegt dann aber die Frage nahe, wie man überhaupt alle erdenklichen Fragen zu einem bestimmten Thema bestimmen kann. Ein kostenloses Online-Tool, welches sich hierfür optimal eignet, ist zu finden auf answerthepublic.com. Hier muss lediglich ein gewünschter Begriff in die vorgegebene Maske eingefügt werden und daraufhin werden alle erdenklichen Suchanfragen aufgelistet, geordnet nach W-Fragewörtern. Eine andere, weniger umfangreiche Lösung bietet natürlich auch Google Suggest an.

Decke auf deiner Webseite möglichst viele W-Fragen ab

Wenn also in Zukunft weniger nach „bester Friseur”, dafür aber häufiger nach „Wo finde ich den besten Friseur für Männer in Köln für unter 15 Euro” gesucht wird, und es durchaus verwandte Suchanfragen zu dieser spezifischen Suche gibt, stellt sich am Ende die Frage, wie man auf seiner Webseite möglichst einfach und suchmaschinen- sowie leserfreundlich alle relevanten W-Fragen kompakt unterbringen kann.

Die Lösung bietet ein Service, der schon so lange existiert, wie es Foren im Internet gibt. Und dieser Service nennt sich FAQ. Frequently Asked Questions lassen sich hervorragend auf Landingpages unterbringen, bieten eine übersichtliche Struktur, individuelle Gestaltungsmöglichkeiten und dürften sich gerade für die Voice Search hervorragend eignen.

Optimiere deinen Content für Featured Snippets

War es lange Zeit das wichtigste SEO-Ziel, auf Google-Position 1 zu landen, geht es heutzutage noch besser: Google-Position 0 ist heute das erklärte Ziel aller Internetseiten. Unter Google-Position 0 versteht man die sogenannten „Featured Snippets”, das sind die kleinen hervorgehobenen und informativen Content-Formate, die ganz oben in der Google-Trefferliste erscheinen.

Für Voice-Search-Optimierungen ist das Featured Snippet besonders interessant, weil – wie erklärt – bei der Sprachsuche meist nur das erste Suchergebnis relevant ist und Nutzer nicht, wie oft bei der Textsuche, zumindest die erste Seite der SERP manuell nach dem besten Treffer durchsuchen.

Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Google liest die Informationen aus der Textbox mitunter sogar laut vor und nennt dabei die Quelle der Information, also zum Beispiel: „Laut dem MEGA-Magazin…” Gerade für das Branding dürfte dieser Punkt interessant sein.

Vergiss die Füllwörter nicht!

Speziell bei der Optimierung auf Voice Search kommt es, wie aufgezeigt, darauf an, seinen Content möglichst genau auf Longtail-Suchanfragen abzustimmen. Dies würde bedeuten, dass neben den Frage-Wörtern auch Füllwörter wieder eine Rolle spielen bzw. Wörter, die einen Satz grammatikalisch eigentlich erst korrekt darstellen. Im Folgenden verdeutliche ich dies, indem ich die Wörter kursiv darstelle, die bei „klassischer” SEO für gewöhnlich keine Rolle spielen:

  • Klassisches Optimierungskeyword: beste Urlaubszeit Kanada
  • Longtail-Keyword-Optimierung in Hinblick auf Voice Search: Wann ist die beste Urlaubszeit, um nach Kanada zu reisen?

Kommuniziere mit der Suchmaschine in der richtigen Sprache

Natürlich ist es vollkommen richtig, dass Content für den Leser, nicht für die Suchmaschine erstellt werden sollte. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es nicht mehr möglich ist, seinen Content so zu formatieren, dass auch Suchmaschinen verstehen, welche Inhalte dargestellt und vermittelt werden. Möglich ist dies über sogenannte strukturierte Daten, die von Schema.org bereitgestellt werden und jedem Online-Marketer ein Begriff sein sollten.

Strukturierte Daten helfen, einfach gesprochen, Suchmaschinen, den Content einer Webseite in den korrekten Kontext zu stellen und die Inhalte entsprechend in der Suchergebnisliste zu präsentieren. Sicherlich hast du dich bereits gefragt, warum manche Suchergebnisse besonders ausgezeichnet bzw. formal anders dargestellt werden.

Hierfür sind strukturierte Daten verantwortlich, die bei richtiger Implementierung zusätzlich zum Suchergebnis weiterführende Informationen anzeigen. Diese Rich Snippet bzw. Rich Cards stechen besonders ins Auge und werden deutlich häufiger angeklickt als herkömmliche Suchergebnisse.

Da strukturierte Daten auch Aufzählungen ermöglichen, die von Google vorgelesen werden können, nachdem eine Voice Search erfolgte, scheint es nur logisch, seinen Content mithilfe von strukturierten Daten zu optimieren. Dies mag technisch für den einen oder anderen gewiss eine Herausforderung sein, die Mühe und Zeit, alles über strukturierte Daten zu lernen, sollte sich aber jeder nehmen.

Speziell Unternehmen, die lokal ausgerichtet sind, sollten sicherstellen, dass zumindest die NAP-Daten (name / adress / phone) über die Markups von Schema.org ausgezeichnet werden.

Fazit: Voice Search kommt – ob man es möchte oder nicht

Die Zahlen und Fakten sind eindeutig: Voice Search ist DER nächste digitale Trend, der auch in der SEO-Szene für ordentlich Aufsehen sorgen wird. Schade nur, dass einige SEOs auch diesen Trend allem Anschein nach verschlafen (wollen). Auch wenn Voice Search sicherlich noch in den Kinderschuhen steckt, in einigen Jahren wird die Sprachsuche so selbstverständlich sein wie heutzutage die Texteingabe in die Google-Suchmaske. Siehst du das anders? Lass es mich wissen!

Patrick Stolp
Noch während der Gymnasialzeit fand ich den Einstieg in das Online-Marketing, wenig überraschend als Texter. Mein beruflicher Werdegang war vorgezeichnet, schon allein, da mir das gelesene wie geschriebene Wort seit Kindesbeinen an näher war als das gesprochene. Aus meinem Faible für Schrift und Geschriebenes erwuchs eine Faszination für Suchmaschinen und Suchanfragen. Nach einer Agenturgründung und einigen Jahren als Unternehmer und Freiberufler fand ich beim MEGA-Magazin zu meiner Leidenschaft zurück, wobei meine Leistung unterdessen weit über das Schreiben hinausreicht. Ich bin kein reiner SEO, nicht ausschließlich Texter, ich bin Content Marketer, mehr noch: Ich bin Content Creator.

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