Inhaltsverzeichnis

Backlinks gekauft: Nach 24 Stunden noch immer keine Rankingverbesserungen

Ein Backlink entfaltet seine voller Power nach drei bis sechs Monaten.

Du hast mit Sicherheit schon mal gehört, dass nachhaltige Suchmaschinenoptimierung Zeit braucht. Das ist (hoffentlich) keine Ausrede schlechter SEOs, sondern entspricht der Wahrheit. Natürlich wünschst du dir, dass du mit deinem Projekt schnelle Fortschritte machst. Doch leider kann dir niemand Rankingverbesserungen auf Knopfdruck versprechen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ich erkläre dir in diesem Artikel, wieso die Suchergebnisse (SERPs) von Google nicht täglich komplett durcheinandergewirbelt werden und warum das eigentlich auch gut so ist. Zudem helfe ich dir dabei, eine realistische Einschätzung dafür zu entwickeln, welche SEO-Maßnahmen wie schnell eine Wirkung auf das Ranking erzielen werden.

Wie stabil sind die Rankings bei Google?

Wer sich einen Platz auf Seite 1 bei Google erkämpft hat, kann sich auf wertvollen organischen Traffic freuen. Doch natürlich sind auch viele deiner Konkurrenten scharf auf die Spitzenpositionen. Somit wirst du gerade auf den ersten Plätzen schneller vom Thron gestoßen als es dir lieb ist, wenn du dich auf deinen Lorbeeren ausruhst.

Die Rankings von Google verändern sich täglich. Weil es aber so viele Faktoren gibt, die über die Positionierung deiner Seite in den SERPs entscheiden, hat nicht jede kleine Änderung direkt einen Einfluss. Google wäre es auch nicht sehr daran gelegen, weil die Suchergebnisse aus Gründen der Usability zumindest einigermaßen stabil sein sollten. Je mehr es auf die Spitze zugeht, desto konstanter sind die SERPs im Zeitverlauf. Ausgenommen sind hier harte Eingriffe, wie die regelmäßigen Google Core Updates.

Bild: Auf https://serpmetrics.com/flux/ wird dir die Ranking-Volatilität von Google und Bing angezeigt. Desto höher der FLUX-Wert ist, desto stärker haben sich die Rankings in den letzten 30 Tagen verändert. Du kannst dir den FLUX-Wert für die TOP100 oder TOP10 anzeigen lassen. Über den Chart lassen sich Google Updates gut ablesen, noch bevor Google etwas verkündet. Bildquelle: Screenshot vom serpmetrics.com

Es ist also relativ unwahrscheinlich, dass gestern noch eine Seite das beste Resultat bei Google war und nun auf Seite 3 verschwindet. Sollte so etwas passieren, riecht das stark nach einer Abstrafung und du solltest schleunigst einen Link Audit durchführen, um z.B. einen Angriff mit schadhaften Links zu erkennen.

Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass Google dich nicht so schnell in seine “Hall of Fame” auf Seite 1 lässt, wenn deine Website erst seit kurzem positive Signale sammelt. Damit ist unter anderem gemeint, dass du frischen Content auf der Seite veröffentlicht, viel Traffic generiert oder hochwertige Backlinks gesammelt hast.

Je weiter hinten du im Ranking stehst, desto einfacher (und meistens auch schneller) kannst du Plätze gut machen. Ist deine Website aber noch relativ neu und nicht so populär, schaut der Google-Bot seltener bei dir vorbei und bemerkt Änderungen vielleicht erst nach Wochen, bzw. honoriert deine Arbeit erst nach Wochen.

Das passiert nachdem ein Link gesetzt wurde

Infografik: Jeder Backlink muss 3 Phasen durchlaufen, bevor er wirklich nützlich für die Suchmaschinenoptimierung wird. Das kann dauern. Quelle: MEGA

Besonders für junge Projekte, die mit knappen Mitteln gegründet werden, stellen die ersten gekauften Backlinks durchaus eine erhebliche Investition dar. Da liegt die Erwartungshaltung nahe, dass sich ein schneller positiver Effekt einstellt. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Nachdem du einen Backlink erhalten hast, startet ein 3-Phasen-Prozess, der dich erst am Ende mit dem gewünschten Boost belohnt. Wie schnell diese Phasen durchlaufen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Phase 1: Der Backlink ist gesetzt

Nachdem der Backlink gesetzt wurde, weiß Google erst einmal noch nichts von der neuen Verknüpfung. Wenn die Seite gut besucht ist und der Link somit Traffic erzeugt (was übrigens eine wichtige Metrik für starke Backlinks ist), wird deine Website auf jeden Fall schon mal ein paar Besucher erhalten. Das kann durchaus wertvoll sein und vielleicht sogar Kunden bringen. Für das Ranking ist es aber wichtig, dass Google Kenntnis von der Verlinkung erlangt.

Phase 2: Google findet die Verlinkung

Je populärer die linkgebende Seite ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Google-Bot zufällig über die Verlinkung stolpert. Ist der Link auf einer tief vergrabenen Unterseite versteckt, die kaum organischen Traffic erhält, dauert es hingegen deutlich länger.

Hat Google den Backlink aber schließlich gefunden, prüft der Bot, ob dem Link ein Attribut hinzugefügt ist. Ist der Link mit dem “nofollow”-, “sponsored”- oder “ugc”-Attribut versehen, versteht das der Google-Bot, diesem Link (erstmal) nicht weiter Beachtung zu schenken. Obwohl Google das Nofollow-Attribut selbst bewertet. Es kann durchaus sein, dass ein Nofollow-Link zu einer Rankingverbesserung führt.

Nehmen wir aber mal an, dass der Link nicht gekennzeichnet ist. Dann findet Google dein Projekt und crawlt auch deine Page. Das hat den netten Nebeneffekt, dass Google bei der Gelegenheit auch frisch erstellten Content auf deiner Seite findet. Mit geschickten internen Verlinkungen sorgst du dafür, dass der Google-Bot schnell deine gesamte Website durchdringt. Eine Sitemap ist zu empfehlen.

Phase 3: Google evaluiert die Verlinkung

Um die Bedeutung und die Wertigkeit eines Backlinks zu bestimmen, nutzt der Google Algorithmus verschiedene Kriterien. Das kontextuelle Umfeld und der Ankertext des Links werden dabei analysiert und mit dem Linkziel, also deiner Seite, verglichen. Google sieht Backlinks grundsätzlich als Empfehlung oder Quellenangabe an. Das ergibt nur dann Sinn, wenn die Seiten thematisch zueinander passen. Ist dies nicht der Fall, ist die Wirksamkeit des Backlinks in der Regel deutlich reduziert.

Jetzt kommt der wichtigste Punkt für alle SEOs: Nachdem Google den Link ausgewertet hat, wird ein Teil der Power der linkgebenden Seite auf deine Website vererbt. Das Konzept machte sich Google schon einst mit dem PageRank zunutze und es hat bis heute (wenn auch in deutlich komplexerer Form) Bestand. Links mit guten Metriken und einer inhaltlichen Übereinstimmung sorgen also dafür, dass deine Seite an Stärke gewinnt.

Die Geschwindigkeit, mit der die Phasen durchlaufen werden, hängt mit dem Crawl-Budget zusammen, das Google der linkgebenden und deiner verlinkten Seite beimisst. Je mehr Backlinks du aufbaust, desto mehr Aufmerksamkeit (= Crawl-Budget) wird dir er Google-Bot zur Verfügung stellen. Dann wird deine Seite automatisch viel schneller eine positive Entwicklung nehmen können.

Wie viel Impact hat ein Backlink auf das Ranking?

Bild: Der Linkaufbau alleine bringt deine Seite nicht ganz nach vorne. Gute SEO basiert immer auf einem ganzheitlichen Ansatz. Quelle: MEGA

Wenn du bei einem frischen Projekt nach 24 Stunden schon erste Resultate erwartest, nur weil du einen Backlink erhalten hast, wirst du vermutlich enttäuscht werden. Vielleicht schätzt du ohnehin etwas falsch ein, was ein Backlink für dich eigentlich leisten kann und wie viel Einfluss ein einziger Link auf das Ranking hat.

Stehst du mit deiner Seite zu einem Keyword in den Top 100 bei Google, aber noch nicht in den Top 50, hast du vermutlich ganz ordentlichen Content, aber noch keine guten Backlinks. Ohne vernünftige Inhalte wirst du aber nicht die Spitze angreifen können. Das geht mit gut gepflegten Metadaten los und gilt natürlich für das gesamte Dokument.

Hast du ein richtig gutes Content-Piece kreiert, das bereits ohne nennenswerte Backlinks einen Platz zwischen stärkeren Seiten ergattern konnte (die aber vermutlich dünneren Content haben), können 2-3 gezielte Backlinks wie ein Brandbeschleuniger wirken und deine Seite sofort abheben lassen.

Andersherum wirst du mit einen 100-Wörter-Text selbst mit absoluten Top-Backlinks nicht in die Top 10 kommen, weil die Usability vermutlich einfach nicht gegeben ist. Wenn du in diesen 100 Wörtern nicht absolut auf den Punkt alle Probleme des Users löst, hat deine Seite keine Chance, sich gegen umfangreichere Content-Pieces durchzusetzen. Da Google aller Innovationen zum Trotz immer noch eine schlagwortbasierte Maschine ist, kann ich dir eine solche Taktik ohnehin nicht empfehlen.

Je frischer dein Projekt ist und je schlechter deine Inhalte bisher von Google aufgenommen wurden, desto geringer fällt der Einfluss eines Backlinks aus. Daher lautet mein dringender Tipp, dass du auf jeden Fall parallel zum Linkaufbau (oder am besten schon vorher) deinen Content auf Vordermann bringst. Das wirkt zudem natürlicher, denn hochwertige Inhalte haben gute Backlinks auch tatsächlich verdient.

Deine Seite muss die Bewährungsprobe bei Google bestehen

Spürt Google, dass eine Seite (neuen) hochwertigen Content anbietet und gleichzeitig ein Anstieg der Backlinks zu verzeichnen ist, gilt dies als relevantes Signal dafür, dass hier eine Website entstehen könnte, die mehr Aufmerksamkeit verdient. Google hat den Anspruch, seinen Usern die bestmögliche Erfahrung zu bieten. Eine Seite mit starken Inhalten, die immer mehr Links einsammelt, sollte also auf keinen Fall vom Google-Radar verschwinden.

Teilweise kannst du selbst beobachten, wie Google deine Seite an manchen Tagen schon deutlich nach oben im Ranking schiebt. Es ist übrigens ganz natürlich, dass Google häufig von dir besuchte Seiten in deiner individuellen Suche priorisiert. Um deine Ergebnisse nicht zu verfälschen, solltest du solche Untersuchungen daher im Inkognito-Modus deines Browsers durchführen. Oder du nutzt ein SEO-Tool und rufst darüber deine Rankings ab.

Schaust du in die Google Search Console, wirst du feststellen, dass auch eine mittelmäßig gerankte Seite trotzdem manchmal Klicks und auf jeden Fall Impressionen erhält. An manchen Tagen wirst du zeitweise schon gut gelistet und manchmal tauchst du vielleicht gar nicht ansatzweise im sichtbaren Bereich auf. Google macht das, um zu testen, ob deine Seite sich langfristig einen Platz auf der ersten Seite verdient.

Dabei werden u.a. folgende Kennzahlen ausgewertet (Eigene Meinung – Google dementiert das):

  • Back to Search (Return to SERP): Wie viele User klicken zwar auf deine Seite, kehren dann aber direkt auf die Google Suche zurück? Ein hoher Wert spricht dafür, dass deine Website nicht die passenden Antworten auf die Fragen der User bereitstellt. Sorge daher dafür, dass der User direkt das findet, wonach er sucht und animiere ihn zum Verweilen.
  • Click-through Rate: Wie viele User klicken prozentual auf dein Suchergebnis? Wird deine Seite häufig geklickt, obwohl sie nur auf Platz 7 bis 10 gelistet ist, wirkt das sehr positiv. Mit optimierten Metadaten kannst du hier eine Menge bewirken.
  • Ladezeit: Der PageSpeed ist Google sehr wichtig. Lädt deine Seite ewig, hast du schlechte Karten. Besonders deshalb, weil der “mobile first”-Gedanke inzwischen so wichtig ist. Google wird Seiten priorisieren, die schlank aufgebaut und somit fürs Smartphone und Tablet optimiert sind.

Es reicht also nicht aus, einfach nur Backlinks einzukaufen und schon kommen die Top-Rankings. Stattdessen musst du auch alle Hausaufgaben der Suchmaschinenoptimierung erledigen – oder dir einen Experten suchen, der das für dich übernimmt.

Fazit: Backlinkaufbau wirkt langfristig und nicht allein!

Abschließend kann ich das Fazit ziehen, dass Backlinks ein wichtiger Baustein sind, um Rankingverbesserungen zu erzielen. Dieser Effekt beschränkt sich aber nicht nur auf die Autorität, die von der linkgebenden Seite auf das Linkziel übertragen wird. Vielmehr entfaltet der Backlink nur dann seine Kraft, wenn auch das Umfeld stimmt und alle anderen SEO-Aspekte ebenfalls ordentlich berücksichtigt wurden.

Hat Google deinen Backlink entdeckt und ausgewertet, kann dich der dadurch erfolgte Push schon zeitweise auf gute Positionen im Ranking befördern. Die bekommst du aber erstmal nur auf Bewährung. Nur wenn deine Seite den Praxistest von Google besteht, wird dich der Suchmaschinen-Gigant mit einem dauerhaften Top-Ranking belohnen.

Hast du eine attraktive Position erklommen, kannst du diese mit stetigem Linkaufbau festigen. Denn Stillstand in deiner Optimierung kannst du dir nicht erlauben, wenn du bei Google in der ersten Liga spielen möchtest.

Martin Brosy
Ich bin vielleicht nicht SEO der ersten Stunde, aber zumindest schon seit 2010 mit von der Partie. Seitdem hat sich im Online Marketing viel getan. Google avanciert von Jahr zu Jahr zu einer Suchmaschine, die den Nutzer immer besser versteht. Search Experience Optimization wird komplexer und sollte als Teildisziplin immer mit am Tisch sitzen. Damit ich den Wandel nicht verschlafe und für unsere Kunden adäquat arbeiten kann, halte ich im Jahr weit mehr als zehn Vorträge zu den Themen Online Marketing und Content Distribution, lasse meine Expertise zertifizieren und schreibe regelmäßig hier im MEGA-Magazin. Privat mache ich gerne Ausdauersport, schaue jedes Rennen unserer deutschen Biathleten und bin Papa einer kleinen Tochter.