Inhaltsverzeichnis

Linkattribute: Nofollow bringt gar nichts

Traffic Traffic Traffic Traffic

Diese Überschrift ist eine gewagte Aussage, die aber vermutlich viele Linkbuilder und SEOs 1:1 so unterschreiben würden. Weil Google sagt, dass der Bot bestimmten Links nicht folgt (nämlich solchen, die als “nofollow” gekennzeichnet sind), ist die Sache für die meisten SEOs erledigt: dofollow-Links sind top, nofollow-Links kann man sich sparen oder höchstens als “Füllmaterial” nutzen, um das Linkprofil ein wenig aufzubauschen. Doch ist das überhaupt noch zeitgemäß?

Ich hole dich in diesem Beitrag erstmal auf der technischen Ebene ab und erkläre dir, was nofollow-Links eigentlich sind und wieso es gar keine dofollow-Links gibt. Dann zeige ich dir, wie unterschiedlich Google heutzutage Links kategorisiert und warum nofollow-Links in einem natürlichen Mix gar nicht fehlen dürfenl. Außerdem haben sie noch einen weiteren Nebeneffekt. Spoileralarm: Traffic, Traffic, Traffic!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Was sind überhaupt Linkattribute?

Wenn du ein Content Management System (z.B. WordPress) benutzt, erstellst du deine Inhalte sicher in einem Editor oder dem Page Builder „Gutenberg“, der so ein bisschen wie ein Word-Dokument aussieht. Wenn du einen Link einfügst, wird dieser in der Regel unterstrichen und eingefärbt. Im HTML-Quellcode, den du bei WordPress mit einem Klick auf den Button “Text” sichtbar machst, hat sich etwas getan.

Hier steht jetzt dieser Schnipsel im Code: 

<a href=“https://www.deinewebsite.de“>Dein Ankertext</a>

Zwischen den Anführungsstrichen ist die URL deiner Website angegeben. Vor dem schließenden </a>-Tag kannst du deinen Ankertext integrieren. Das ist der Text, der z.B. blau unterstrichen “über” deinem Link angezeigt wird. Wieso Ankertexte wichtig für SEO sind, habe ich im verlinkten Beitrag näher besprochen.

Bild: Im Gutenberg Editor (Standard bei den neueren WordPress-Versionen) kannst du mit einen Klick auf den Link das Attribut festlegen. HTML-Kenntnisse werden nicht benötigt. Quelle: Screenshot WordPress

Über HTML kannst du dem Link aber noch weitere Attribute und Spezifikationen hinzufügen, die in den Link-Code integriert werden. Einige wichtige Möglichkeiten, habe ich in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

LinkattributSpezifikationenEffekt
target_blank
_parent
_self
_top

Beeinflusst, ob der angeklickte Link in einem neuen Tab geöffnet wird oder auf der aktuellen Seite.
titlekeineDu kannst einen Titel festlegen, der in manchen Browsern angezeigt wird, wenn man mit der Maus über den Link fährt.
namein Verbindung mit #Der Name-Tag wird z.B. vor einer Zwischenüberschrift genutzt, um dieser einen unsichtbaren Namen zu geben. Über ein #-Zeichen kannst du einen Link dann zu dieser Stelle einer Website verweisen
relnofollow
sponsored
ugc
Über den rel-Tag integriert man eine Information wohin ein Link führt. Die genannten 3 Spezifikationen sind die Möglichkeiten, die für die SEO wichtig sind.

Es gibt noch ein paar weitere Tags (z.B. hreflang, accesskey oder type), die aber für die Suchmaschinenoptimierung nicht wirklich wichtig sind, bzw. auf die ich jetzt nicht in diesem Artikel eingehen möchte. Hreflang ist selbstverständlich extrem wichtig.

Der rel-Tag wird im Folgenden wichtig. Du hast sicher schon gesehen, dass hier der ominöse nofollow-Tag auftaucht, von dem immer alle reden. Einen dofollow-Tag gibt es hingegen gar nicht. Wird ein Link nicht mit dem rel-Tag ausgezeichnet, nennt man ihn aber oft einen dofollow-Link.

Wie interpretiert Google den rel-Tag bei Links?

Google sieht Links von einer Website zu einer anderen als Empfehlungen an. Bis heute hat der Algorithmus dieses Grundprinzip beibehalten. Allerdings lassen sich Verlinkungen prinzipiell leicht manipulieren, sodass Google neben der Quantität der eingehenden Links auch deren Qualität bestimmen muss.

Hierfür wurde zunächst der PageRank als Kriterium geschaffen, der Websites entwertete, die viele ausgehende, aber wenig eingehende Links haben. Heutzutage spielen noch etliche weitere Faktoren eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Stärke eines Links zu bewerten. Einer dieser Faktoren ist die Frage, ob und wie der Link gekennzeichnet ist.

Die folgenden von Google empfohlenen Kennzeichnungen führen dazu, dass der Google-Bot einen Link auf eine bestimmte Weise behandelt:

  • Link ohne Kennzeichnung: Der Google-Bot folgt dem Link (daher auch: dofollow) und interpretiert dies als positive Empfehlung. Auch der Linktext wird ausgelesen und zum besseren Verständnis des verlinkten Inhaltes genutzt.
  • Kennzeichnung als nofollow: Der Google-Bot soll dem Link eigentlich nicht folgen und interpretiert die Verlinkung grundsätzlich nicht als positive Empfehlung.
  • Kennzeichnung als sponsored: Der Google-Bot soll dem Link nicht folgen und ihn nicht als positive Empfehlung interpretieren, weil es sich um einen bezahlten Link handelt, der im Rahmen einer Promotion oder eines Gastartikels eingebaut wurde.
  • Kennzeichnung als ugc: Der Google-Bot soll dem Link nicht folgen und ihn nicht als positive Empfehlung interpretieren, weil es sich um einen Link handelt, der nicht vom Seitenbetreiber eingestellt wurde (ugc = user generated content).

Die Tags “sponsored” und “ugc” sind noch relativ neu. Vorher hat Google nur normale Links ohne Kennzeichnung und nofollow-Links unterschieden. Durch die genauere Spezifizierung versteht Google nun besser, warum ein Link gesetzt wurde.

Beispiel: Buchst du einen Gastartikel, der einen Link zu deiner Seite enthält, soll dieser als “sponsored” gekennzeichnet werden. Gibst du einen Kommentar ab oder antwortest in einem Forum und integrierst dort z.B. einen Link in einer Signatur, sollte das Attribut “ugc” verwendet werden. Hierfür ist aber oft der Seitenbetreiber verantwortlich, da du selbst in einem Forum keinen Zugriff auf den Quellcode hast.

Wenn du noch alte nofollow-Links auf deiner Seite hast, die du im Tausch gegen eine Gegenleistung gesetzt hast oder über zahlreiche Blogkommentare mit Links verfügst, musst du diese nicht alle umfirmieren. Du musst auch keine Seiten anschreiben, auf denen nofollow-Links zu deiner Seite eingebaut sind, die in diese neuen Kategorien fallen.

Der nofollow-Tag ist ein Platzhalter für alle Links, denen du offiziell keine Empfehlung aussprechen möchtest. Die Tags können dabei auch kombiniert werden (z.B. nofollow sponsored), was aber faktisch einen Unterschied macht. Für die Zukunft solltest du dich aber an das neue System halten.

Eigentlich, grundsätzlich oder immer – sind alle nofollow-Links wertlos?

Bild: Ein riesiger Teil an Links ist inzwischen nofollow. Darunter sind aber viele starke Seiten und Google kann Links von diesen Seiten eigentlich nicht ignorieren. Quelle: MEGA

Ich habe die Wörter eigentlich und grundsätzlich benutzt als ich davon gesprochen habe, ob der Google-Bot nofollow-Links berücksichtigt oder nicht. Warum? Das werde ich dir jetzt erklären.

Google hat sich mit dem nofollow-Tag selbst ein Bein gestellt! Ich hab leider keine Statistiken dazu gefunden, kann dir aber versichern, dass ein Großteil der ausgehenden Links heutzutage mit dem nofollow-Tag gekennzeichnet ist.

Die Gründe hierfür sind vielfältig:

  • ausgehende Links ohne nofollow-Tag stellen nicht nur eine Empfehlung dar, sondern sollen auch ein Teil der eigenen Kraft an die verlinkte Seite übertragen. Daher werden diese sehr vorsichtig eingesetzt. Außerdem möchte man mit Sicherheit nicht als Linkschleuder in Verruf geraten und im Verdacht stehen, Backlinks zu verkaufen.
  • etliche große Seiten (z.B. Wikipedia, gutefrage.net sowie diverse Foren & Social Networks) haben ihre ausgehenden Links standardmäßig als nofollow markiert. Damit möchten sie verhindern, dass Spam-Verlinkungen vorgenommen werden.
  • manche CMS-Systeme bzw. Templates setzen Links automatisch auf nofollow und Webmaster, die sich gar nicht damit auskennen, merken es gar nicht.

Aber jetzt kommt der Knackpunkt: Viele nofollow-Links bieten dem User einen großen Mehrwert und Google hätte guten Grund dazu, diese in die Bewertung einer Seite mit einfließen zu lassen. In einer Studie aus dem Jahr 2020 hat der Tool-Anbieter ahrefs erkannt, dass es dafür statistisch signifikante Anhaltspunkte geben könnte.

Denn: Laut den Untersuchungen von ahrefs korrelieren die Rankings einer Seite stärker mit der Gesamtanzahl an Backlinks als mit der Gesamtanzahl an Backlinks ohne Kennzeichnung. Die Vermutung dahinter ist also, dass auch Links mit dem nofollow-Tag eine Wirkung auf das Ranking haben können und du vielleicht sogar in der Lage zu sein wirst, Seiten auszustechen, die mehr Backlinks ohne Kennzeichnung haben als du.

Was könnte also dafür sprechen, dass nofollow-Links sich positiv auf die Stärke deiner Seite und damit auch auf dein Ranking auswirken? Ich werde dir dafür drei Gründe nennen, die dich nie wieder daran zweifeln lassen werden, ob du nofollow-Links brauchst.

3 Gründe, warum nofollow-Links dein Ranking pushen werden

Infografik

Bild: Es lassen sich gute Argumente dafür finden, wieso auch nofollow-Links dein Ranking positiv beeinflussen können. Quelle: MEGA

Vorab möchte ich dir noch sagen, dass die Ausgangslage auf dem Papier recht klar ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass Google einen nofollow-Link als Rankingsignal berücksichtigt, ist geringer als bei einem Link ohne Kennzeichnung. Aber es gibt (mindestens) 3 gute Gründe, wieso du auf nofollow-Links nicht verzichten solltest.

Grund 1: nofollow-Links sind natürlich

Wie bereits angedeutet vermute ich, dass ein Großteil der Links im Internet inzwischen als nofollow ausgezeichnet ist. Da liegt es doch auf der Hand, dass die Anzahl deiner eingehenden Links mit nofollow-Attribut ebenfalls in einem ähnlichen Verhältnis steht. Oder sagen wir es mal andersherum: Hast du nur Backlinks ohne Kennzeichnung im Linkprofil, wirkt das alles andere als natürlich. Zu viele nofollow-Links kann man aber eigentlich gar nicht haben. Sie sind schlimmstenfalls neutral zu bewerten.

Ein gesundes Maß an nofollow-Links kann dir dabei helfen, Abstrafungen zu vermeiden. Dein Linkprofil steht auf einer natürlichen Basis. Selbst wenn deine starken Links ohne Kennzeichnung auf natürliche Weise zustande gekommen sind, könnte es Google merkwürdig finden. Je weniger Links du insgesamt hast, desto schneller fällt ein hoher Anteil auf. Daher stellen nofollow-Links ein wichtiges Fundament deines Linkbuildings dar.

Grund 2: nofollow-Links liefern wertvollen Traffic

Na gut, sagen wir es so: nofollow-Links können hochwertigen Traffic liefern. Wenn du einen Link ohne Kennzeichnung auf einer praktisch toten Seite ergatterst, wirst du davon wenig profitieren. Ein nofollow-Link auf einer toten Seite ist aber nochmal eine Steigerung, was die Nutzlosigkeit angeht. Zwar wird dir dieser Link nicht schaden, du kannst aber auch nicht davon ausgehen, dass er in irgendeiner Weise hilfreich ist – sofern der Google-Bot ihn überhaupt findet!

Auf einer starken Seite und in einem thematisch passenden Umfeld angesiedelt, kann auch ein nofollow-Link zum Besuchermagneten werden. Diese Besucher halten sich auf deiner Seite auf, was zu positiven Signalen führt (z.B. Sitzungsdauer), die von Google ebenfalls für Rankings ausgewertet werden. Auf indirekte Weise verbessert dies also die Reputation deiner Seite und zeigt Google, dass du interessante Inhalte bietest.

Natürlich hättest du endlich gerne mal ein paar starke Links ohne Kennzeichnung, die dein Ranking pushen. Aber wenn du einen nofollow-Link einer besucherstarken Seite erhalten kannst, die vielleicht sogar organisch rankt und dich mit regelmäßigem Traffic versorgt, kann das definitiv (noch) wertvoller sein.

Grund 3: Es wäre nur fair und im Sinne von Google

Ich habe ja weiter oben die Studie von ahrefs verlinkt. Vielleicht hast du schon auf den Link geklickt und dir selbst ein Bild von den Ergebnissen gemacht?

Hätte der Link eine nofollow-Kennzeichnung, sollte der Google-Bot per Definition dieser Seite eigentlich (hier ist wieder dieses besondere Wort) nicht folgen. Aber sind wir mal ganz ehrlich: Wenn monatlich hunderte Nutzer auf diesen Link klicken, was soll Google dann davon denken? Nur weil ich als Seitenbetreiber einer anderen Website keinen Backlink ohne Kennzeichnung “gegönnt” habe, heißt das ja nicht, dass der Inhalt schlecht wäre. Eigentlich wäre es sogar unfair, eine gute Studie nicht mit einem Link ohne Kennzeichnung zu belohnen.

Daher bin ich fest davon überzeugt, dass Google nofollow-Links mit starkem Traffic definitiv nicht unberücksichtigt lässt. Wenn man sich in der SEO-Szene umhört, setzt sich diese Meinung immer stärker durch.

Am Ende sind Rankings immer ein Zusammenspiel unterschiedlichster Faktoren. Aber ein nofollow-Link, der kontinuierlich themenrelevanten Traffic bringt, wird sicherlich kein Hindernis dabei sein, die erste Seite bei Google zu erreichen. Da Google immer schlauer wird, solltest du davon ausgehen, dass dieser Faktor in Zukunft noch wichtiger wird.

Es ist absolut denkbar und im Sinne von Google, dass hochwertige nofollow-Links, die viel Traffic erzeugen und damit thematische Relevanz sowie Qualität ausstrahlen, die Stärke einer Seite beeinflussen können. Google hat immer das Ziel, seinen Usern die bestmöglichen Inhalte zu präsentieren. Da können sie es sich gar nicht erlauben, eine Seite außen vor zu lassen, die mediale Präsenz erhält und tausende Besucher anlockt. Daher wird sich Google immer das Hintertürchen offen halten, nofollow-Links als Rankingfaktor heranzuziehen.

Fazit zu Linkattributen & nofollow-Links

Abschließend kann ich festhalten, dass nofollow-Links auf keinen Fall irrelevant sind, wenn es um einen natürlichen und nachhaltigen Linkaufbau geht. Sie haben definitiv einen höheren Stellenwert in deinem Linkportfolio als nur die Rolle des “Füllmaterials” abzugeben, wie es manche SEOs hinter vorgehaltener Hand ausdrücken würden.

Damit Google keinen Ärger macht, solltest du die Linkattribute verinnerlichen, die ich dir in diesem Beitrag vorgestellt habe. Kennzeichne bezahlte Links als “sponsored” und nutzergenerierte Inhalte mit “ugc”. Achte zudem darauf, dass auch andere Seitenbetreiber so verfahren, damit dein Linkprofil nicht verfälscht wird.

Um von einem nofollow-Link zu profitieren, muss dieser Traffic erzeugen. Dadurch erhältst du zum einen wertvolle Besucher, die mit ihrem Nutzerverhalten positive Signale an Google senden können. Zum anderen scheint Google sich die Option offen zu halten, besonders populäre nofollow-Links von starken Websites als Rankingfaktor zu werten.

Das spiegelt nicht nur die Meinung verschiedener SEOs wider, sondern wurde durch ahrefs auch auf Basis von Daten untermauert. Zudem erscheint diese Vorgehensweise aus der Perspektive von Google sehr sinnvoll. Schließlich möchte man die Website belohnen, welche die attraktivsten Inhalte rund um ein bestimmtes Thema bietet. Dafür muss Google auch nofollow-Links in gewisser Weise einbeziehen, um diesen Anspruch zu erfüllen.

Martin Brosy
Ich bin vielleicht nicht SEO der ersten Stunde, aber zumindest schon seit 2010 mit von der Partie. Seitdem hat sich im Online Marketing viel getan. Google avanciert von Jahr zu Jahr zu einer Suchmaschine, die den Nutzer immer besser versteht. Search Experience Optimization wird komplexer und sollte als Teildisziplin immer mit am Tisch sitzen. Damit ich den Wandel nicht verschlafe und für unsere Kunden adäquat arbeiten kann, halte ich im Jahr weit mehr als zehn Vorträge zu den Themen Online Marketing und Content Distribution, lasse meine Expertise zertifizieren und schreibe regelmäßig hier im MEGA-Magazin. Privat mache ich gerne Ausdauersport, schaue jedes Rennen unserer deutschen Biathleten und bin Papa einer kleinen Tochter.